P3 „Bist du irre?“ – Awareness für psychische Krankheiten von jungen Menschen erhöhen

AntragstellerInnen: Hannover

„Bist du irre?“ – Awareness für psychische Krankheiten von jungen Menschen erhöhen

Laut dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und internationalen Studien zeigen ca. 20 % aller Heranwachsenden psychische Auffälligkeiten. Etwa 5 % der Jugendlichen in Deutschland erkranken an einer gravierenden psychischen Störung. Psychische Krankheiten sind dementsprechend keine Seltenheit bei jungen Menschen. Dennoch ist der momentane Umgang mit ihnen erschreckend. Ein solcher hat meist aber schwerwiegende Folgen. Deshalb müssen wir etwas ändern.
Ein Umdenken muss zuerst in den Schulen ansetzen, denn diese und insbesondere die Lehrer*innen sind kaum bis gar nicht auf diese Problemstellung eingestellt und oftmals überfordert. Daran muss sich etwas grundlegend ändern, denn auch das ist ein Teil von Inklusion und ein Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft.

Deshalb fordern wir:

  • Schulen müssen verpflichtend ein Konzept zum Umgang mit psychischen Erkrankungen erstellen, um so eine angemessene Unterstützung von erkrankten Schüler*innen zu gewährleisten. Zur Orientierung soll ein interdisziplinäres Expertengremium mit Vertreter*innen aus Pädagogik, Medizin und Bildungsministerium eine Leitlinie mit wichtigen Eckpunkten für ein angemessenes Verhalten erstellen.
  • Außerdem soll es mehr Schulpsycholog*innen geben. Der Betreuungsschlüssel muss drastisch steigen. Die Expert*innen sollen eng mit den Lehrkräften zusammenarbeiten, aber auch mit den Schüler*innen. So soll es die Möglichkeit geben, auch in einzelne Klassen zu gehen, um dort die Klassengemeinschaft zu sensibilisieren. Auch so soll Mobbing von Kindern mit psychischen Erkrankungen vorgegriffen werden.
  • Ein individuelleres Lernen muss ermöglicht werden. So sollte es mehr Härtefallregelungen geben, damit die Jugendlichen nicht noch mehr unter Druck gesetzt werden. Lehrer*innen sollten ein größeres Verständnis dafür entwickeln, dass Jugendliche mit psychischen Krankheiten nicht genauso lernen können, wie andere. Deshalb müssen neue Methoden und Unterstützungsmechanismen entwickelt werden, die individuell angepasst werden.

Aber nicht nur in der Schule brauchen wir ein Umdenken. Auch die Eltern müssen mehr und besser unterstützt werden, wir dürfen sie nicht allein lassen. Deshalb fordern wir:

  • Familiencoachings für Familien von psychisch erkrankten Jugendlichen als Krankenkassenleistung aufzunehmen. Ein wichtiger Schritt, um der ganzen Familie zu helfen.
  • Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern. So muss es einen engeren Kontakt geben, um dem Kind besser gerecht zu werden.
  • Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Schulpsycholog*innen und Eltern muss erreicht werden. Individuelle Lösungen für das Kind sollen so leichter gefunden und entwickelt werden.

All diese Punkte zeigen: wir brauchen ein Umdenken. Wir müssen sensibler mit solchen Erkrankungen umgehen und mehr Awareness schaffen, vor allem bei jungen Menschen. Denn ein falscher Umgang ist prägend für den Rest des Lebens.

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Änderungsanträge zu P3

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
P3_Ä11 1 Baden-Württemberg

Ersetze Titel durch: Sensibilisierung im Umgang mit psychischen Krankheiten von jungen Menschen

P3_Ä2 10 Bayern

Ergänze nach Z. 10
• Zur Verhinderung von Stigmatisierung psychisch Erkrankter müssen psychischen Störungsbilder in verschiedenen Fächern, insbesondere in Biologie und Ethik (Religion), behandelt werden. Dabei sollten Lehrkräfte explizit auf schulische und außerschulische Beratungsstellen für Betroffene und Angehörige hinweisen.

P3_Ä3 10 Bayern

Ergänze nach Z. 10
• Nicht nur zum adäquaten Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Erkrankungen, sondern auch um frühzeitig zu erkennen, wenn jemand gefährdet ist, an einer psychischen Krankheit zu erkranken, müssen Lehrkräfte ausreichend geschult sein. Regelmäßige Fortbildungen zu verschiedenen Störungsbildern sollten deshalb für alle Lehrkräfte angeboten werden.

P3_Ä1 13 Mecklenburg-Vorpommern

Ergänze in Zeile 13 nach Medizin: “, Psychologie“

P3_Ä4 14 Bayern

Ersetze in Z. 14 „ein angemessenes Verhalten“ durch „Möglichkeiten der individuellen Förderung und angemessene Betreuung“

P3_Ä5 14 Bayern

Ergänze in Z. 14 nach „erstellen“
Dabei sind den Schulen durch das Kultusministerium ausreichend Lehrer*innenstunden zur Verfügung zu stellen. Bei Bedarf sind hierzu auch weitere Planstellen zu schaffen.

P3_Ä6 18 Bayern

Ergänze in Z. 18 nach „werden“
Darüber hinaus sollen Schulpsycholog*innen freiwillige Gruppenmaßnahmen zum Thema mentale Gesundheit für Schüler*innen anbieten (z. B. Umgang mit Stress oder Möglichkeiten der Stärkung des Selbstbewusstseins), um psychischen Erkrankungen präventiv entgegen zu wirken.

P3_Ä7 19 Bayern

Ersetze Zeile 19 – 23 durch
• In der Analyse von psychischen Erkrankungen dürfen Erklärungsansätze im Zusammenhang mit dem kapitalistischen System nicht vernachlässigt werden. Psychische Krankheiten entstehen nicht nur aufgrund von biologischen oder intrapersonellen, psychischen Faktoren. Auch soziale und strukturelle Gegebenheiten bedingen wechselseitig das Entstehen und die Aufrechterhaltung. Einflussreiche Stressoren sind zum Beispiel fehlende Autonomie, wenig soziale Unterstützung im Umfeld und „gelernte Hilflosigkeit“ aufgrund von gefühlt nichtkontrollierbaren Ereignissen. Psychische Gesundheit ist auch eine Frage des sozioökonomischen Hintergrunds. Menschen, die in Armut leben und/oder finanziell abhängig sind, sind wesentlich häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen als der Rest der Bevölkerung. Das Leben in benachteiligten Stadtvierteln (z.B. schlechtere Infrastruktur, weniger Grünflächen odergesunde Einkaufsmöglichkeiten) verstärkt das Risiko zu erkranken um ein weiteres. Gesteigerte Leistungsanforderungen auch im Kindesalter tragen dazu bei, nicht adäquat auf Stressoren eingehen zu können und machen die Kinder anfälliger für psychische Erkrankungen. Dies setzt sich auch im Erwachsenenalter beispielsweise in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen ohne Mitbestimmungsmöglichkeiten fort. In der Schule muss deshalb ein individuelleres Lernen ermöglicht werden – nicht nur, aber besonders für Kinder mit psychischen Erkrankungen. Dabei müssen auch im bestehenden Schulsystem, in dem Schüler*innen regelmäßig bewertet werden, in besonderen Situationen Härtefallregelungen greifen, die die Schüler*innen von Leistungsnachweisen befreien.

P3_Ä8 24 Bayern

Ersetze in Z. 24 „Eltern“ durch „Familien“

P3_Ä9 27 Bayern

Ergänze in Z. 27 nach „zunehmen“: „Auch die kurzfristige Einzelberatung von Geschwistern und Eltern muss im Leistungsspektrum inbegriffen sein.“

P3_Ä10 Titel Bremen

Ersetze im Titel “junge Menschen“ mit “Schüler*innen“