U1 Die Nachhaltige Stadt – Urban Gardening und Urban Planting fördern

AntragstellerInnen: Nord-Niedersachsen

Die Nachhaltige Stadt – Urban Gardening und Urban Planting fördern

Deshalb fordern wir Urban Gardening und Urban Planting mittels staatlicher finanzieller Fördermittel für Kommunen und Städte zu fördern. Unternehmen, Öffentliche Gebäude, Behörden und Privatpersonen sollen Zugang zu diesenFörderungen erfahren durch aktive Bepflanzung und Begrünung des (Privat)Grundstücks. Gerade die Begrünung von betonierten Flächen (Dächer, Vorplätze e.t.c.) soll pro m² subventioniert werden. Hierbei plädieren wir für einen spezifischen Gesetzentwurf für die Subventionierung von Urban Gardenings und Plantings orientiert an die Vergütungssätze bei Biomasse aus den EEG §5. Es muss lediglich differenziert werden welche Art von Begrünung vorliegt (Differenzierbarkeit: immergrüne Gewächse und wechselgrüne Gewächse).

Außerdem sollen Baumpartner*innenprojekte durch Fördermittel ausgebaut werden. Nach unserem Verständnis soll Urban Planting und Gardening Grundelemente der modernen Stadtplanung bilden, denn nur durch die explizite Anwendung dieser ökologischen Prinzipien, werden wir das Leitbild der nachhaltigen Stadt gerecht.

Begründung:

Die Weltbevölkerung wächst, Entwicklungsländer industrialisieren sich. Die Bevölkerung steigt rapide an. Und mit diesen Indikatoren schreitet der stets wachsende Prozess der Versiegelung fort. Jährlich werden global riesige Flächen von Naturböden buchstäblich betoniert. Eine widernatürliche Entfernung des ökologischen Schutzschilds der Böden. Zugleich erfahren wir anhand radikale globalen Klimaveränderungen, welche Auswirkungen

fahrlässiger Umgang mit unseren Lebensraum für uns hat. Der exponentiell ansteigende anthropogene Antrieb und das menschliche fahrlässig Wüten auf unserem Planeten sind hierbei die Indikatoren. Klimaprojektionen verdeutlichen, dass ein weiter so in der Klimapolitik, das Treibhausgas-Emissionsszenario RCP 8.5 (Representative Concentration Pathways) für uns zufolge haben wird. Dies würde bedeuten, dass bis zum Jahr 2100 das globale Mittel um 4 Grad Celsius ansteigen würde. Regional abweichend stark oder schwach ausgeprägt. Im Paris-Agreement, welches Deutschland unter anderem unterschrieben hat, einigten sich die Unterstützer*innen auf ein weltweites Ziel des Szenarios RCP 6.0, welches nur einen globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,7 Grad Celsius entspreche.

Um dieses Ziel zu verwirklichen bedarf es Handlungen. Aus deutscher Perspektive gibt es viele Umweltschutzmaßnahmen, die getätigt werden müssen um die Emissionsraten deutlich zu senken. Der Kohleausstieg, ein Umdenken in der Mobilität und härtere Umweltaufschriften sind hierbei die Kernelemente der deutschen umweltpolitischen Debatte. Jedoch gibt es auch viele kleine nachhaltige Pilotprojekte, die zu mindestens regional, Emissionsraten senken können. Eines davon ist das Urban Gardening. Der deutsche Wirtschaftsgeograph Johann Heinrich von Thünen entwickelte zur Zeiten der Industrialisierung deutscher Städte das Prinzip des Urbanen Gartenbaus, die organisierte Begrünung der Stadt. Das damals durch die Industrialisierung geprägte Stadtbild sollte durch das Urban Gardening aufgelockert werden und primär die Lebensqualität der Werkarbeiter*innen steigern und somit die damals erheblich hohen Emissionsraten kompensieren. Auch die internationalen Institute für Raumordnung und Städteplanung wurden auf die Theorie des Urban 1 Gardening aufmerksam. Das in den 70er Jahren entstandene Leitbild der Gartenstadt bildete hierbei einen Gegenpol zu den in der Stadtgeographie populären Leitbild der dichten Stadt (Betonierte Großwohnanlagen bspw.: Köln-Chlorweiler, Bremen-Osterholz-Tenever, Grohner Düne). Auch in unserer heutigen Zeit wird die Theorie des Urban Gardenings wieder aufgegriffen. Die Begrünung und das organisierte Anlegen von Gartenanalgen im urbanen Raum sind Kernelemente der zukunftsorientierten nachhaltigen Stadt. Deutschlandweit gibt es mehrere privat organisierte

Vereine die auf verlassenen Industrieflächen oder in organsierten Wohngemeinschaften Urban Gardening betreiben. Auch gibt es vermehrt in Großstädten subventionierte Baumpartnerschaften zur Pflege städtischer Baumschilder.

Leider konnte sich das Urban Gardening in Deutschland nicht deutlich durchsetzen, wie vergleichsweise in anderen Staaten. Beispielweise in Singapur, wurden aufgrund von Landknappheit bei Zunahme der Bevölkerung der versiegelte Naturboden durch Urban Planting auf den Dächern und Brücken des Kleinstaats ersetzt. Flächendeckend ganze Stadtteile sind zusätzlich mit Biomasse bepflanzt wurden, sodass Singapurs Satellitenbild nun einen grünen Teppich gleicht. Dies hat zufolge, dass Singapur im Gegensatz zu anderen südostasiatischen Megacities nicht an den dort alltäglichen Problemen wie starker Smogkonzentration leiden und man in diesem Falle Singapur als Leitbild einer dichten nachhaltigen Stadt bezeichnen kann. Auch in Deutschland investieren große Städte wie Freiburg, Nürnberg und Berlin in Urban Gardening Projekte. Nur oftmals fehlen denKommunen für diese Investitionen das Geld. Dies sollte sich nun bundesweit ändern.

Urban Planting kann eine Strategie sein, den globalen Strahlungshaushalt auszugleichen. Das Urban Planting würde die Albedo Rate durch seine Bepflanzung von betonierten Flächen erheblich steigern (Dunkle Objekte weisen eine niedrige Albedo auf und strahlen somit wenig kurzwellige Strahlung ab. Sie speichern die Energie. Dadurch wird das bodennahe Klima aufgeheizt. Der Unterschied liegt hierbei, ob verwitterungsphile Stoffe die Energie aufnehmen oder verwitterungsphobe). Auch sollen durch die verstärkte Bepflanzung von Innenhöfen, sowie das Anlegen vonGartenstädten, hohe Emissionsraten im urbanen Raum mildern und die durch die Versiegelung verloren gegangene Biomasse ersetzen. Durch die provozierte Bodenbildung wird wieder ein neuer Lebensraum für Mikroorganismen geschaffen. Die Bepflanzung von Dachflächen hat zusätzlich eine kühlende Wirkung auf den Gesamthaushalt. Ein begrüntes Dach ersetzt hierbei häufig eine teure Klimaanlage. Auch haben wissenschaftliche Studien in Nürnburg erwiesen, dass sich durch das Förderprogramm des Urban Gardenings gerade in der Stadt viele neue Insektenpopulationen entwickelt haben.

Denn die moderne konventionelle Landwirtschaft hat dazu geführt, dass neben den Insektensterben viele Insektenpopulationen ihren ursprünglichen Lebensraum verloren haben und sich nun auf Suche nach neuen Lebensräumen begeben müssen. Hierbei ziehen viele Insektenpopulationen in die Großstädte, da sie dort Schutz in den vergleichsweise wenig mit Pestiziden belasteten Grünanlagen suchen und auch finden. Also könnte auch eine Förderung des Urban Gardening eine Chance sein, den großen Insektensterben entgegenzuwirken. Auch landwirtschaftliche Erfolge können durch Urban Planting hervorgebracht werden, denn diese Methode bietet Raum für eine innovative Form des ökologischen Obstanbau und birgt neue Perspektiven im Forst- und Landschaftsbau. Die Ausgaben hierbei für Ressourcen halten sich ebenfalls in Grenzen. Um aber nachhaltig von den Vorteilen des Urban Gardenings und Plantings zu profitieren, müssen die Projekte Massentauglich sein.

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Änderungsanträge zu U1

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
U1_Ä1 1 Nordrhein-Westfalen

Ersetze  Z. 1 bis 12 durch: “Wir fordern, dass Urban Gardening und Urban Planting mittels staatlicher finanzieller Mittel gefördert und geeignete Flächen bereitgestellt werden. Zugang zu dieser finanziellen Förderung sollten hierbei Unternehmen, Öffentliche Gebäude, Behörden und Privatpersonen haben. Die Subventionierung von zu begrünenden Flächen (Dächer, Vorplätze, usw.) soll pro m² erfolgen. Diese kann sich hierbei beispielsweise an der Förderung von Umweltschutzprojekten orientieren. Zentraler Bestandteil der Förderung ist der Gemeinnutzen. Zusätzliche Förderung ist möglich für Flächen, die zur oder nach der Begrünung der Öffentlichkeit oder Teilen derer zugänglich gemacht werden. Ausgenommen von der Förderung sind solche Begrünungen oder Projekte, die eine Flächennutzung im Sinne der ausgewiesenen Fläche darstellen, z.B. Vorgärten. Hier kann die Begrünung auch beispielsweise durch die Bauordnung vorgeschrieben werden. Außerdem sollen Baumpartner*innenprojekte durch Fördermittel ausgebaut werden.

Uns ist bewusst, dass durch Urban Gardening und Planting keine allgemeine Versorgung mit Nahrungsmitteln gewährleistet werden kann und Subsistenzwirtschaft keine jungsozialistische Zukunftsperspektive ist. Aus diesem Grund soll der Schwerpunkt auf den positiven Aspekten der allgemeinen Begrünung von Städten, besonders von zubetonierten und versiegelten Flächen, liegen und nicht auf der Nahrungsmittelproduktion.“

U1_Ä3 1 Berlin

Z.1, füge ein vor “Deshalb fordern wir…“: “Urban Gardening und Urban Planting birgt viele Antworten auf aktuelle Probleme, sowohl lokal in den Städten als auch auf globaler Ebene.

  • So kann Urban Gardening und Urban Planting erstens dafür sorgen, dass Emissionen von der Stadt-Umwelt aufgenommen werden und so die Belastung durch Smog und Feinstaub gesenkt werden.
  • Zweitens sorgen sie für eine höhere Lebensqualität der Stadtbewohnerinnen. Die Steigerung der Lebensqualität von jeder in der Stadt ist Aufgabe der öffentlichen Hand und darf sich nicht damit entscheiden, ob jemand die Mittel hat, in einem Haus mit Garten zu wohnen oder regelmäßig in den Zweitwohnsitz aufs Land zu fahren.
  • Drittens, leisten Urban Gardening und Urban Planting einen Beitrag zur Kühlung sowohl der einzelnen Gebäude, als auch der Stadt insgesamt.
  • Viertens, kommt den Städten eine besondere Verantwortung bei der Sicherung der Biodiversität zu. Auf dem Land findet Insektensterben und ein Rückgang an Mikroorganismen im Boden aufgrund der in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide statt. Diese gibt es in der Stadt aber nicht. Urban Gardening und Urban Planting sind daher sinnvolle Mittel, um für diese Verluste in der Stadt zu kompensieren.
  • Fünftens, bieten Urban Gardening und Urban Planting Möglichkeiten zur Ernährungserziehung. Es ist wichtig, dass jeder lernen kann, wo die eigenen Lebensmittel herkommen. Da darf es keinen Unterschied machen, ob man auf dem Land oder in der Stadt aufwächst. Angesichts knappen Wohnraums und der Tatsache, dass es in Deutschland keine Mega-Cities gibt und die Wege vom Feld bis in die Stadt vergleichsweise überschaubar sind, hat es keine Priorität durch Urban Gardening und Urban Planting einen nennenswerten Anteil der Ernährung der Städterinnen in Deutschland sicherzustellen. Diese Frage ist jedoch in einigen anderen Ländern relevant und so ist die Forschung an solchen Ansätzen sinnvoll.“
U1_Ä4 4 Berlin

Z. 4, ersetze “betonierten“ durch “versiegelte“

U1_Ä5 6 Berlin

Z. 6: Ersetze “Es muss … Gewächse).“ durch “Es muss lediglich nach immergrünen und wechselgrünen Gewächsen differenziert werden.“

U1_Ä7 6 Baden-Württemberg

Streichen Z. 6 ab „orientiert“ bis „§5“

U1_Ä6 8 Berlin

Z. 8, Füge ein: “Das Anpflanzen auf öffentlichen Grünflächen wird zudem nicht mehr als Ordnungswidrigkeit behandelt.“

U1_Ä2 25 Nordrhein-Westfalen

Ersetze in Z. 25 “Paris-Agreement“ durch “Pariser Klimaabkommen“