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C1 Kostenfreie Ausbildung – auch in Gesundheits- und Therapieberufen!

AntragstellerInnen: Nordrhein-Westfalen

Kostenfreie Ausbildung – auch in Gesundheits- und Therapieberufen!

Wir setzen uns für eine Reform der Ausbildungen für Ergotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Diätassisten*innen, Orthopist*innen, Logopäd*innen, Psychotherapeut*innen sowie verwandten Gesundheitsberufen ein. Dabei soll insbesondere eine grundsätzliche Schulgeldfreiheit für diese Ausbildungen im Fokus stehen. Es ist heutzutage eigentlich kaum vorstellbar, dass in einigen sogenannten schulischen Ausbildungen im Gesundheitswesen Auszubildende keine Vergütung bekommen. Auszubildende in diesen Bereichen haben einen hohen Praxisanteil und arbeiten ganz normal im krankenhäuslichen Betrieb mit. Wir müssen dieser Ausbeutung einen Schlussstrich ziehen! Dazu streben wir die zeitnahe Erarbeitung einer Bund-Länder-Vereinbarung sowie Vereinbarungen mit privaten Ausbildungsträgern bzgl. der Kostenübernahme an, wie zuletzt bei den Pflegeberufen geschehen.

Mittelfristig sollen außerdem die Ergebnisse aus aktuell laufenden Modellversuche bzgl. der Akademisierung dieser Gesundheitsberufe in eine grundlegende, die Berufsbilder nachhaltig stärkende Reform einfließen. Die Ver.di Jugend in NRW hat auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und wir – als NRW Jusos müssen uns solidarisch mit Ihnen zeigen!

Begründung:

In einer alternden Gesellschaft steigt die Wichtigkeit der Pflege- und Gesundheitsversorgung über das eh schon bestehende Maß hinaus. Gut ausgebildetes und in ausreichender Zahl verfügbares Fachpersonal ist die Voraussetzung für die dauerhafte Sicherung der Versorgungsqualität sowie die Sicherstellung ausreichender Versorgungsangebote im Gesundheitswesen. Ergotherapeut/innen, Physiotherapeut/innen und Logopäd/innen sowie verwandten Gesundheitsberufe leisten in diesem Kontext sowohl in der Rehabilitation als auch präventiv wichtige Arbeit.

Die Ausbildung zu diesen Berufen ist sowohl an Berufsfachschulen (in staatlicher oder privater Trägerschaft) als auch in Form eines grundständigen Studiums möglich. Letztere Möglichkeit existiert noch nicht lange, befindet sich teils im Modell-Status und ist dementsprechend (noch) nicht weit verbreitet. Für die Ausbildung an Berufsfachschulen ist (je nach Trägerschaft) ein Schulgeld/Ausbildungskosten von bis zu 500€/Monat zu zahlen; meist von den Auszubildenden selbst. Das ist für uns nicht hinnehmbar! Im Sinne unserer Forderung nach „kostenfreier Ausbildung von der KiTa bis zum Meister/Master“ nehmen wir uns hiermit auch den Ausbildungsberufen an, die bislang trotz ihrer wichtigen Rolle dabei unter den Tisch gefallen sind: Gesundheitsberufe, deren Ausbildung teilweise an privaten Berufsfachschulen stattfindet.

Die Rahmenbedingungen der angesprochenen Berufsausbildungen werden in Bundesgesetzen geregelt (z.B. für Ergotherapeut/innen im "Gesetz über den Beruf der Ergotherapeutin und des Ergotherapeuten (Ergotherapeutengesetz – ErgThG)" vom 25.05.1976 sowie die "Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten (Ergotherapeuten- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung – ErgThAPrV)" vom 02.08.1999). Bildung – auch berufsfachschulische Ausbildung – ist Ländersache, daher werden die Details der o.g. Gesetze von den Bundesländern ausgestaltet – der Bund hat bzgl. der Ausbildungskosten keine direkte Mitsprachemöglichkeit. Ein gangbarer Weg zur Umsetzung unserer Forderung nach Kostenfreiheit ist daher der über eine Bund-Länder-Vereinbarung.

Die Frage der Kostenfreiheit der Ausbildung ist aber nur der erste und dringlichste Schritt auf einem Weg zu einer umfassenden Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Mittelfristig soll diskutiert werden, inwiefern Auszubildende, Berufstätige und das Berufsbild selbst von einer Akademisierung – wie im Ausland oftmals selbstverständlich – profitieren können. Diese Diskussion soll auf der Basis der derzeit laufenden Modellversuche geführt werden.

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