U20 Nein zum staatlichen Tierwohllabel – Ein Tierwohllabel kann sozialdemokratische Kritik nicht ersetzen

AntragstellerInnen: Hessen-Nord

Nein zum staatlichen Tierwohllabel – Ein Tierwohllabel kann sozialdemokratische Kritik nicht ersetzen

Der Bundeskongress möge beschließen:

Die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels wurde vom Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verstolpert. Es begann damit, dass der Minister auf der Grünen Woche 2017 statt eines ausformulierten Konzeptes lediglich das Logo für das neue Label vorstellte. Wir Sozialdemokrat*innen haben diese merkwürdige Präsentation zu Recht kritisiert. Unsere Kritik am Tierwohllabel sollte aber wesentlich grundsätzlicher sein. Nicht nur setzt dieses auf der fragwürdigen privatwirtschaftlichen „Initiative Tierwohl“ auf, auch hat sich selbst der eher konservative Tierschutzbund von dem Label distanziert. Wir Sozialdemokrat*innen müssen nun aufpassen. So problematisierte etwa die Verbraucher*innenschutzorganisation Foodwatch: „Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet für das freiwillige Tierwohl-Label einen Marktanteil von vielleicht 20 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Bundesregierung duldet für 80 Prozent der Nutztiere weiterhin vermeidbare Krankheiten, Schmerzen und Leiden! Ein freiwilliges Label ist der grundfalsche Ansatz, weil es für Millionen von Tieren keinerlei Verbesserungen bringen wird und uns weiter weg bringt von der dringend gebotenen Lösung für 100 Prozent der Nutztiere.“

Hüten müssen wir uns auch vor sogenannten Rebound-Effekten. Wenn viele Konsument*innen glauben, die minimalen Verbesserungen machen den Tierkonsum unproblematischer und öfter zu Tierprodukten greifen, kann sich die Gesamtleidenssumme unterm Strich sogar vergrößern. Ein viel plausiblerer Tierschutz- und auch Klimaschutzansatz wäre hingegen auf eine verringerte Tierproduktion und einen verringerten Tierkonsum zu setzen. Dafür müsste die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union entsprechend umgestellt werden. Außerdem müsste der ermäßigte Mehrwertsteuersatz des nicht meritokratischen Gutes Fleisch fallen. Durch eine sozialpolitische Flankierung könnte dies für viele Menschen kostenneutral geschehen. Die Abschaffung dieses Steuerprivilegs würde dafür sorgen, dass der Fleischkonsum um ca. 5 Prozent sinkt, umgerechnet in Schweineäquivalenten wären das ca. drei Millionen Tiere.

Wir fordern deshalb:

  • Kein Cent für und keine Bewerbung eines Tierwohllabels
  • Die Umstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik auf Nachhaltigkeit
  • Die Steuerprivilegierung von Fleisch endlich abzuschaffen

PDF

Download (pdf)

Änderungsanträge zu U20

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
U20_Ä2 1 Baden-Württemberg

Streiche im Titel: „Ein Tierwohllabel kann sozialdemokratische Kritik nicht ersetzen“

U20_Ä1 14 Berlin

Ersetze in den Z. 14-16: “Wenn viele Konsument*innen glauben, die minimalen Verbesserungen machen den Tierkonsum unproblematischer, greifen sie öfter zu Tierprodukten.“