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B4 Pflege geht uns alle an – Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen verbessern

AntragstellerInnen: Saar

Pflege geht uns alle an – Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen verbessern

Wir fordern:

  1. eine bundesweite, gesetzliche Personalbemessung in allen Krankenhäusern

       und Pflegeeinrichtungen,

  1. eine bundesweite Mindestvergütung in allen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im Personalbereich,
  1. keine weiteren Privatisierungen der Pflegeeinrichtungen, um die weitere Ausrichtung hinzu ausschließlich gewinnorientierten Pflegeeinrichtungen zu unterbinden und damit in einem ersten Schritt den Status Quo zu erhalten,
  1. Dokumentationspflichten unter Berücksichtigung und Erhaltung der Ergebnisqualität der Pflege reduzieren,
  1. eine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung in allen Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen für das gesamte Personal, um die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes zu gewährleisten,
  1. es soll verpflichtend werden, dass jedes Krankenhaus, pro 7 Schüler*innen eine/n freigestellte/n Praxisanleiter*in anstellen muss. Schüler*innen sind für den Praxistag im Dienst eingeteilt, jedoch während der Anleitung vom restlichen Stationsablauf entbunden,
  1. bundesweite Vereinheitlichung des Lehrplans, sowie der praktischen Ausbildung an allen Pflegeschulen und Pflegeeinrichtungen,
  1. eine strikte Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten von 11 Stunden, nach dem Wechsel von einer Nachtschicht auf eine andere Schicht, sollte die Ruhezeit mindestens 24 Stunden betragen,
  1. auf vorhandene externe Sozialberatung für Mitarbeiter*innen im Pflegebereich aufmerksam zu machen und diese flächendeckend und verpflichtend anzubieten. Diese Sozialberatung soll es den Mitarbeiter*innen ermöglichen private Probleme, die sie bei ihrer Arbeit belasten könnten mit der Hilfe von Externen besprechen zu können,
  1. die verpflichtende Einrichtung eines Gesundheitsmanagements in allen Einrichtungen,
  1. die Einführung einer gesetzlichen Pflegeversicherung mit paritätischer Finanzierung von Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen.

Begründung:

Die Personalsituation in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist prekär. Die natürlichen physischen und psychischen Belastungen innerhalb des Pflegeberufes werden durch den Personalmangel und den damit einhergehenden Zeitdruck unnatürlich erhöht. Eine personengerechte Pflege, wie sie in der Ausbildung gelehrt wird, ist dann nicht mehr möglich. Infolge dieser Personalnot kann eine bedarfsgerechte und menschenwürdige Pflege nicht sichergestellt werden. Daher ist eine bundesweite, gesetzliche Personalbemessung in allen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einzuführen.

Um den hohen Bedarf an Pflegekräften zu decken, müssen bessere Arbeitsbedingungen eingeführt werden.

Daher fordern wir eine bundesweite Mindestvergütung in allen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im Personalbereich, um damit für eine sichere Planung und ein lebenswerteres Arbeitsleben des Personals in der Pflege zu sorgen.

Des Weiteren fordern wir Dokumentationspflichten unter Berücksichtigung und Erhaltung der Ergebnisqualität der Pflege zu reduzieren, damit mehr Zeit für die Pflege am Patienten bleibt.

Wir fordern eine bundesweite Verpflichtung zur elektronischen Zeiterfassung in allen Krankenhäusern, sowie Pflegeeinrichtungen. Dies würde eine optimale Zeiterfassung ermöglichen, welche zum Beispiel zur Erhaltung des Arbeitsschutzgesetzes beiträgt.

Wir brauchen mehr freigestellte Praxisanleiter*innen! Es ist wichtig geschultes Personal zu haben, welches den Azubis die Tätigkeiten, die sie in der Ausbildung erlernen sollen, fachgerecht näherbringen kann. Dies ist zurzeit im normalen Arbeitsalltag nicht integrierbar. Deshalb fordern wir, dass pro sieben Azubis ein/e freigestellte/r Praxisanleiter*in von der Pflegeeinrichtung angestellt werden muss, um die Zeit aufzubringen welche es bedarf um auf jeden Azubi individuell eingehen zu können.

Wir fordern die bundesweite Vereinheitlichung des Lehrplans, sowie der praktischen Ausbildung an allen Pflegeschulen und Pflegeeinrichtungen. Es ist wichtig, dass es einen strengen Standard gibt, nachdem die Ausbildung absolviert wird. Denn nach dieser Ausbildung beginnt das selbständige Berufsleben, in dem jede/r für sich im Arbeitsalltag selbst verantwortlich ist. Je nach Wechsel des Betriebes ist es nicht zu verantworten, dass die Ausbildung nicht standardisiert bleibt. So würden Lücken entstehen welche verheerende Folgen für die Fachkraft, sowie für die Patient*innen haben können. 

Wir fordern, dass auf vorhandene Sozialberatungen für Mitarbeiter*innen im Pflegeberich aufmerksam gemacht wird und Sozialberatungen erweitert werden. Nur so können die Mitarbeiter*innen in einem geschützten Raum über ihre privaten Probleme sprechen und Hilfe durch Dritte erhalten.

Wir fordern außerdem gesundheitsfördernde Kurse und ähnliche Angebote anzubieten, damit Mitarbeiter*innen ausgeglichen und fit am Arbeitsleben teilnehmen können.

Um die Pflegebedürftigen und die Pflegenden in unserer Gesellschaft zu entlasten, muss eine gesetzliche Vollversicherung in der Pflege mit paritätischer Finanzierung von Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen eingeführt werden. Auf Grundlage einer von ver.di in Auftrag gegebenen Studie, lässt sich eine Prognose erstellen wie viele Mehrausgaben dafür anfallen und infolge dessen wie hoch die Steigerung des Leistungsbeitrages ausfällt. In der Studie wird eine Beitragserhöhung von ca. 1,3 Prozent prognostiziert, eine Erhöhung die man in Folge des daraus entstehenden Mehrwerts als angemessen ansehen kann. Darüber hinaus würde die Vollversicherung nicht nur die Pflegebedürftigen entlasten, sondern auch die Position der Pflegekräfte stärken.

 

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