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I18 Rechtssicherheit für Tätowierer*innen, Piercer*innen und Verbraucher schaffen

AntragstellerInnen: Sachsen-Anhalt

Rechtssicherheit für Tätowierer*innen, Piercer*innen und Verbraucher schaffen

Die Jusos und die SPD streben eine bundesweit einheitliche Regelung für die Ausübung der Tätigkeit der Tätowierer*innen und Piercer*innen an.  Sie unterstützen dabei die Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das sich für eine Mindestzertifizierung in diesen Bereichen einsetzt, fordern jedoch weitergehende Schritte:

 

  1. Ähnlich wie bei Gewerben aus der Gastronomie, z.B. mobilen Imbiss-Ständen, muss vor der Erstinbetriebnahme eines Studios eine Abnahme durch das Gesundheitsamt erfolgen.
  2. Neue Gewerbe bzw. Studios dürfen nur in Betrieb genommen werden, wenn ein Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs und über Kenntnisse im Bereich des Infektionskrankheitenschutzes und der Sterilisation erbracht worden sind.
  3. Bereits existierende Studios, bei denen einer oder mehrerer dieser Nachweise fehlen, müssen für alle dort tätigen Tätowierer*innen diese innerhalb einer bestimmten Frist nachreichen, bzw. ihre Mitarbeiter*innen entsprechend schulen.
  4. Ein Rahmenhygieneplan wie er vom Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Hygieneplänen nach § 36 IfSG erarbeitet wurde ist von jedem/jeder Tätowierer*in und Piercer*in verpflichtend einzuhalten und vorzuweisen.
  5. In den zuständigen Fachministerien ist zu prüfen welche dieser Schritte bereits auf Länderebene umgesetzt werden können, um diese dann in Sachsen-Anhalt in Kraft zu setzen.
  6. Langfristig wird von den zuständigen Stellen geprüft wie ein neuer Ausbildungsberuf für die Tätigkeit des Tätowierens und Piercens geschaffen werden kann, um der Komplexität des Berufs in Bereich wie Materialkunde, Chemie, Anatomie und Hygiene ebenso Rechnung zu tragen wie den Aspekten des Kunsthandwerks, die die Tätigkeit umfasst.
Begründung:

Laut Umfragen sind etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland tätowiert, etwa 7 Prozent tragen ein Piercing (Ohrlöcher nicht mitgerechnet). Trotz der mittlerweile großen Verbreitung und steigender gesellschaftlicher Akzeptanz, ist der Bereich des Piercens und Tätowierens bis heute kaum gesetzlich geregelt. Dies erscheint besonders fahrlässig in Anbetracht hoher Gesundheitsrisiken und langwieriger Folgeschäden bei unseriöser Ausübung der Tätigkeit.

Viele Tätowierer*innen und Piercer*innen halten sich bereits an freiwillige Regelungen von Branchenvereinen, verpflichtend ist jedoch nichts davon. Dies nützt insbesondere jenen wenigen unseriösen Tätowierer*innen und Piercer*innen, die durch mangelnde Hygiene oder schädliche Farben Kosten sparen.

Für den Verbraucher ist es dabei oftmals schwer durch eine oberflächliche Kontrolle eines Studios genau einschätzen zu können, wie sauber in diesem Umfeld gearbeitet wird, oder über welche Kenntnisse die dort arbeitenden tatsächlich verfügen.

Es ist Zeit diesbezüglich rechtliche und verbindliche Richtlinien zu schaffen und auch für eine gute und fundierte Ausbildung der in diesem Bereich Tätigen zu sorgen, die über das reine Wissen um Hygiene, Infektionskrankheiten und Sterilisation der Arbeitsmaterialien hinausgeht, sondern auch die handwerklichen und künstlerischen Aspekte dieses Feldes miteinschließt und in einen Beruf einbindet.

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