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Das Deutsch-Russische Verhältnis – eine historische Einordnung

 

Wenn wir eine zeitgemäße und progressive Ostpolitik definieren wollen, müssen wir auch einen Blick auf das eng verwobene Verhältnis unserer beiden Länder werfen. Die Geschichte ab dem beginnenden 20. Jahrhundert misst dem deutsch-russischen Verhältnis heute eine besondere Rolle bei, die auch in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik berücksichtigt werden muss.

Mit der Leitlinie „Lebensraum im Osten“ setzte die NS-Diktatur einen unbeschreiblichen Vernichtungskrieg gegen unsere östlichen Nachbarn, die damalige Sowjetunion, in Gang. Die Zahl der Kriegstoten aufseiten der Sowjetunion betragen sich auf 27 Millionen Menschen. Kein anderes Land verlor im Zweiten Weltkrieg mehr Menschenleben. Die Rote Armee befreite zahlreiche Konzentrationslager, darunter das Vernichtungslager Auschwitz. Aus diesen Erfahrungen erwächst eine Verantwortung für Deutschland – aber auch für Russland – das Soldat*innen beider Länder nie wieder Waffen gegeneinander erheben. Gerade deshalb setzen wir auf zivile Außenpolitik, um bewaffnete Konflikte mit allen Mitteln zu verhindern.

 

Aus dem deutsch-russischen Verhältnis erwächst aber auch eine Verantwortung für andere östliche Nachbarn. Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 teilte in einem geheimen Zusatzprotokoll Polen unter den beiden Parteien auf. Die deutsche Besatzungsmacht verrichtete in Polen unsagbare Gräueltaten – mit dem Vernichtungslager Auschwitz und dem Warschauer Ghetto seien an dieser Stelle nur einige genannt – und gingen mit besonderer Grausamkeit gegen polnische Jüd*innen und Andersdenkende vor. Auch aus dieser Geschichte geht für uns eine besondere Schutzverantwortung für unsere osteuropäischen Nachbarn hervor. Der Schutz dieser Länder vor einer expansiver und zunehmend feindseligen Außenpolitik, auch von anderen Kräften, ist deshalb für Deutschland ein wichtiges Anliegen.“