U7 Einführung einer europäische CO2-Steuer

Um das Pariser Klimaabkommen und das 1,5-Grad-Ziel zu einzuhalten, muss der Ausstoß von CO2 und verwandten Treibhausgasen drastisch reduziert werden. Klar ist: Das wird nicht allein mit Aufklärung und freiwilligem Umdenken möglich sein. Gerade die Industrie zieht nach wie vor kapitalistische Interessen einer Klima-Wende vor. Wir brauchen also einen Weg, um die Emissionen aller CO2-Produzent*innen schnell und wirksam zu reduzieren, ohne für jede Branche und jede Art des CO2-Ausstoßes einzelne Regeln verhandeln zu müssen.

Der CO2-Handel hat massive Schwächen, deshalb wollen wir ihn abschaffen und durch eine CO2-Steuer ersetzen. Jahrelang lag der Preis für die CO2-Zertifikate in der EU bei lediglich etwa sechs Euro pro Tonne. Weil die EU nunmehr Zertifikate pro Jahr vom Markt nimmt, hat sich der Preis  inzwischen erhöht und liegt bei über 20 Euro, mit steigender Tendenz. Eine Studie der Weltbank zeigt allerdings, dass ab 2020 ein Preis von mindestens 40 Euro pro Tonne CO2 nötig ist, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Außerdem können wir in der so wichtigen Klimafrage niemals auf Märkte vertrauen. Wir fordern deshalb die Einführung einer CO2-Steuer, in der Europäischen Union in Höhe von 40 Euro pro Tonne CO2 die jährlich ansteigt. Durch diese setzen wir eine effektive Untergrenze für den CO2-Preis in der EU. Durch die Steuer ist ein anfänglicher Mindestpreis von 40 Euro pro Tonne garantiert. Gleichzeitig müssen auch die Subventionen für fossile Ressourcen fallen.

Die hierdurch erzeugten Mehreinnahmen werden in grüne Forschung, Technologie und Infrastruktur investiert. Dabei werden solche Länder der EU besonders gefördert, deren heutige Volkswirtschaft in hohem Maße auf CO2-Ausstoß beruht und wo gleichzeitig das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen vergleichsweise niedrig ist. Auf keinen Fall wollen wir die Ungleichheit in Europa weiter erhöhen. Gleichzeitig sehen wir im schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien langfristig wirtschaftliche Chancen. Für heute wirtschaftlich schwächere Länder in der EU kann der schnelle Umstieg auf CO2-neutrales Wirtschaften in der Zukunft ein großer Vorteil sein. Daher ist es sinnvoll, die Einnahmen aus der CO2-Steuer dort in grüne Forschung, Technologie und Infrastruktur zu investieren, damit Beschäftigung zu sichern und gleichzeitig Zukunftsfähigkeit zu ermöglichen.

Um öffentliche Verkehrsmittel auszubauen kann gleichzeitig auf die erhöhte grüne Infrastrukturförderung zurückgegriffen werden.

CO2-Zertifikate aus dem bestehenden EU-Emissionshandel werden auf die Steuer angerechnet. Produkte aus dem EU-Ausland unterliegen künftig einem Zoll zum Ausgleich des CO2-Verbrauchs, soweit dieser nicht im Ausgangsland besteuert wurde. Diese Importsteuer auf ausländische Produkte ist nötig, damit die CO2-Steuer nicht über das Ausland umgangen werden kann. CO2-neutrale und umweltfreundliche Importe werden anhand eines Discountsystems bepreist. Die Regelung verstößt nicht gegen den Hauptvertrag der Welthandelsorganisation, das „General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), da Importeure aus dem Ausland nicht schlechter gestellt werden als EU-Produzent*innen (sog. „Inländerbehandlung“). Falls strengere spezialgesetzliche Regelungen oder bilaterale Handelsverträge anwendbar sind, könnte z.B. auf die Ausnahmegründe des Schutzes von Menschen-, Tier- und Pflanzengesundheit verwiesen werden („Human, Animal or Plant life and Health“, vgl. Art. XX b GATT).