C5 Für eine neue Personal- und Karrierestruktur an Universitäten

Status:
(noch) nicht behandelt

Das deutsche Wissenschaftssystem ist durch befristete Beschäftigung von Wissenschaftler_innen, die noch nicht auf einer Professur beschäftigt sind geprägt. Diese Wissenschaftler_innen lassen sich jedoch schwerlich als „wissenschaftlicher Nachwuchs“ bezeichnen, da sie über hohe Qualifikationen und vielfach bereits über langjährige, einschlägige Berufserfahrung verfügen. Eine langfristige Perspektive für den dauerhaften Verbleib dieser Wissenschaftler_innen in den Hochschulen existiert dennoch bislang nicht.  Die Entscheidung ob ein_e Wissenschafler_in dauerhaft in Forschung und Lehre tätig sein kann, fällt erst viele Jahre nach dem Berufseinstieg und bleibt somit für die Wissenschaftler_innen über viel zu lange Zeit unberechenbar. 

 

Momentan sind akademische Karrieren allein auf das Erlangen einer Professur ausgerichtet, was angesichts der hohen Diskrepanz zwischen den verfügbaren Stellen und der Zahl der dafür Qualifizierten, stellt dies für viele Betroffene keine realistische Perspektive dar.

Aus diesem Grund steigen viele qualifizierte Wissenschaftler_innen aus der Wissenschaft aus oder wandern in andere Wissenschaftssysteme, die bessere Karrierechancen bieten, ab. 

Diese permanente Unsicherheit verlangt nicht nur viel Flexibilität, Mobilität und Unsicherheitstoleranz auf Seiten der Wissenschaftler_innen, sondern wirft auch für das deutsche Wissenschaftssystem die Frage auf, welchen Sinn es macht, zahlreiche hochqualifizierte Personen  durch mangelnde Perspektiven zu verlieren. 

Grundsätzlich haben Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wie jede_r Arbeitgeber_in, eine Verantwortung gegenüber ihren Beschäftigten, diesen verlässliche Berufsperspektiven und gute Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zu bieten. Verlässliche Perspektiven und gute Bedingungen sind dabei auch zwingende Vorraussetzungen für Kontinuität und damit auch für die Qualität in Forschung und Lehre. 

Der Verlust von Erfahrung und Wissen, der mit der hohen Fluktuation durch das ständige Ausscheiden von Wissenschaftler_innen aus den Lehrstühlen und Einrichtungen einhergeht, schadet auf der einen Seite der Innovationskraft des Wissenschaftssystems und wirkt sich auf der anderen Seite negativ auf den reibungslosen Ablauf der Arbeitsprozesse innerhalb einer Organisationsstruktur aus.

Es kann nicht sein, dass Forschung und Lehre jedes Semester aufs Neue mit dem gerade verfügbaren Personal organisiert werden. Ohne die Wissenschaftler_innen neben der Professur würde der Lehrbetrieb zusammenbrechen, ohne sie könnten viele Forschungsprojekte nicht durchgeführt werden – es ist höchste Dringlichkeit geboten unseren Wissenschaftler_innen die Perspektive zu eröffnen, auf Dauer Wissenschaft als Beruf auszuüben. 

 

Forderungen:

Wissenschaftler_innen als auch Forschung und Lehre benötigen langfristige Perspektiven. Dafür entscheidend ist erstens die Trennung zwischen Qualifikations- und Daueraufgaben in den jeweiligen Personalkategorien. Zweitens darf eine solche Karrierestruktur nicht mehr allein auf die Erlangung einer Professur ausgerichtet sein, sondern muss auch Dauerstellen neben der Professur vorsehen, die im Rahmen einer „Department-Struktur“ nicht „Lehrstühlen“ zugeordnet sind und diese Weise eigenverantwortliches Forschen und Lehren neben der klassischen Professur ermöglichen. 

 

Eine neue Karrierestruktur sieht deshalb wie folgt aus: 

1.     Befristete Qualifizierungsstellen dienen dem Erreichen eines konkreten wissenschaftlichen Qualifizierungsziels, das Aufstieg ermöglicht. Ihre Ausgestaltung richtet sich an diesem Ziel aus.

2.     Neben den befristeten Qualifizierungsstellen gibt es ausreichend unbefristete Beschäftigungsverhältnisse auf Dauerstellen, um die an der einer Universität oder Hochschule anfallenden Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement zu erfüllen.