C4 Gedenkkultur in Schulen ausbauen

Status:
(noch) nicht behandelt

Forderung:
Jede*r Jugendliche muss im Zuge seiner* oder ihrer* Schullaufbahn mindestens einmal eine NS-Gedenkstätte oder einen anderen Ort des Erinnerns besuchen. Hierzu wird die Kultusministerkonferenz aufgefordert, eine bundeseinheitliche Rahmenvereinbarung zu beschließen. Hiervon sind jene Bundesländer ausgenommen, bei denen bereits eine ähnliche Regelung greift. Ferner müssen auch in der Ausbildung aller Lehrkräfte Gedenkstättenbesuche als fester Bestandteil verankert werden. Alle Besuche müssen zwingend mit einer ausreichenden Vor- sowie Nachbereitung begleitet werden. Für die adäquate Durchführung der Besuche wird die Kultusministerkonferenz aufgefordert, über die jeweiligen Bundesländer ausreichend finanzielle Mittel bereitzustellen. Kosten für Besuche dürfen nicht auf Schüler*innen und Lehramtsstudierende umgewälzt, sondern müssen von den jeweiligen Bundesländern vollumfänglich getragen werden.

Begründung:

Begründung:
65 Prozent der Deutschen (2019) nehmen einen wachsenden Antisemitismus wahr. Allein zwischen Januar und
Juni 2019 verzeichnete das Bundeskriminalamt 442 antisemitische Straftaten. Die Zahlen des
Bundeskriminalamtes zeigen demnach auch, dass zwischen den Jahren 2001 und 2018 antisemitische Vorfälle
nicht abgenommen haben. So waren es im Jahr 2001 1.691 sowie im Jahr 2018 1.799 registrierte Angriffe –
durchschnittlich gut 5 Attacken am Tag. Die meisten davon sind rechts motiviert.
Antisemitismus ist leider nach wie vor Realität. Die GEW Hessen kommt in einer Studie aus dem Jahr 2020 zu
dem Ergebnis, dass sich die gesellschaftlichen Tendenzen der Zunahme und Normalisierung des Antisemitismus
allesamt im sozialen Kontext Schule konkretisieren. Aus diesem Grunde braucht es gerade dort einen
veränderten Umgang mit dem Thema der Aufarbeitung der deutschen Geschichte. Hierbei spielen Fragen nach
der Wirkung der nationalsozialistischen Ideologie sowie des Holocausts eine wesentliche Rolle. Angesichts von
Bedrohungen der Demokratie durch Nationalismus und Populismus kommt es entscheidend darauf an,
Schüler*innen die Erinnerung an die Verbrechen der Nazidiktatur, das Lernen und Leben von Demokratie sowie
das europäische Miteinander nahezubringen. Die Auseinandersetzung mit historischen Orten ist ein sinnvoller
Schritt, um einfachen Zugang zur Geschichte zu finden.
Lehrkräfte stehen dabei in besonderer Verantwortung gegenüber allen Schüler*innen. Leider zeigte eine
entsprechende Studie der GEW Hessen mit 105 nicht-jüdischen Lehrer*innen, dass es gravierende Defizite im
pädagogischen Umgang mit Antisemitismus als auch seine Bagatellisierung und Reproduktion gibt. Hier zeigt sich
großer Handlungsbedarf, weil es Lehrkräfte sind, die den Unterrichtsalltag zum großen Teil gestalten.