G8 Geschlechter in der Medizin - Gesundheit darf keine Frage des Geschlechts sein

Status:
(noch) nicht behandelt

Unser Gesundheitssystem ist genauso wie die gesamte Gesellschaft nicht frei von sexistischen Vorurteilen. Stereotype, die in der Gesellschaft existieren, lassen sich so auch in Praxen und Krankenhäusern wiederfinden. Dies wirkt sich direkt auf die Fähigkeit aus, Krankheiten zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Das wohl meistgenannte Beispiel hierfür ist der Herzinfarkt, dessen Symptome sich bei Frauen deutlich von denen bei Männern unterscheiden können. Zwar erkranken Männer häufiger am Herzen, doch ist die Sterblichkeitsrate bei Frauen höher. Ein Grund ist, dass aufgrund unterschiedlicher Symptome Herzprobleme bei Frauen oft zu spät erkannt werden.

Denn wie auch in anderen Bereichen war die Medizin lange sehr männlich-zentriert und ist es in vielen Bereichen noch heute. So werden nicht-männliche Personen hier systematisch benachteiligt.

Doch auch für Männer können diese sexistischen Stereotype in der Gesundheit gefährlich werden. So wird bei Frauen zwar fast doppelt so oft eine Depression diagnostiziert, doch ist die Suizidrate bei Männern weitaus höher, dessen größter Risikofaktor eine Depression ist.

Dies sind nur zwei Beispiele von vielen, die verdeutlichen, dass Sexismus in der Gesundheit mitunter gefährlich werden kann.

Dennoch werden diese Aspekte im Medizinstudium häufig kaum bis gar nicht thematisiert und auch in der Forschung spielen Genderaspekte häufig noch immer keine Rolle. In Deutschland ist die Charité derzeit die einzige medizinische Fakultät mit einem Institut für Geschlechterforschung. Sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Lernenden ist das Wissen um Gendermedizin meist sehr gering, wodurch sich bestehende Probleme immer weiter verfestigen.

Um diesen gefährlichen Stereotypen entgegenzuwirken, ist es einerseits wichtig, dass in der Forschung ein größerer Fokus auf gendersensible Aspekte gelegt wird. Denn in vielen Forschungsfeldern sind geschlechterspezifische Aspekte bisher weder erforscht, noch werden sie in die Forschung einbezogen. Gleichzeitig müssen die dort erzielten Ergebnisse jedoch auch sowohl in der Lehre als auch bei praktizierenden Ärzt*innen ankommen.

 

Deshalb fordern wir:

  • Der Fachbereich der Gendermedizin ist mit erheblichen öffentlichen Fördermitteln auszustatten, um es für Universitäten attraktiv zu machen, Forschungszentren für Gendermedizin zu gründen.
  • Eine Erhöhung des Anteils von Professorinnen im Medizinstudium durch gezielte Maßnahmen zur Frauenförderung
  • Lehre von genderspezifischen Aspekten für alle Fächer im Medizinstudium und in der Ausbildung anderer medizinischer Gesundheitsberufe im Unterricht und in Prüfungsfragen
  • verpflichtende Fortbildungen für praktizierende Ärzt*innen und Pflegepersonal speziell zu Gendermedizin, aber auch die Integration von geschlechterspezifischen Aspekten bei allen Fortbildungsthemen
  • Medizinische Studien dort, wo es möglich, quotiert durchführen