U2 In a nutshell: We fucked up!

Unser Planet liegt im Sterben. Diese Aussage mag in dieser Fatalität übertrieben wirken, es ist allerdings leider die Wahrheit. Ein internationales Team an Forscher*innen unter der Leitung von Johan Rockström am Stockholm Resilience Centre haben 2009 erstmals das Konzept der planetaren Grenzen erstellt. Dieses Konzept zeigt die ökologischen Grenzen unseres Planetens auf, deren Überschreitung die Stabilität des Ökosystems und damit die Lebensgrundlage der Menschheit gefährdet. Es beruft sich auf den Begriff des Anthropozäns, der besagt, dass der Einfluss des Menschen seit der industriellen Revolution auf unsere Umwelt derart gestiegen ist, dass es das erdgeschichtliche Zeitalter des Holozäns abgelöst hat. Wir sind die erste Art seit Beginn des Lebens, die einen Wechsel des Erdzeitalters zu verantworten hat. Teile dieser im Modell aufgeführten planetaren Grenzen sind sogenannte Kippelemente. Wenn ein gewisser Wert überschritten ist, gibt es kein Zurück mehr. So wird beispielsweise ab einer gewissen Erwärmung der Erde und damit der Ozeane am Meeresgrund festgesetztes Methan frei, das die Erwärmung weiter vorantreibt, ohne dass wir irgendetwas dagegen tun könnten. Die Forscher*innen haben die Grenzen in “sichere Handlungsspielräume”, “Zonen der Unsicherheit” und “gefährliche Zonen” eingeteilt, da durch die teilweise Trägheit der Erdsystemprozesse ein Wandel Zeit benötigt.
Die bisher bekannten Grenzen sind: Klimawandel, Versauerung der Ozeane, Stratosphärischer Ozonabbau, atmosphärische Aerosolbelastung, biogeochemische Kreisläufe, Süßwasserverbrauch, Landnutzungsänderungen, Unversehrtheit der Biosphäre und Einbringung neuartiger Substanzen. Hierbei sind lediglich die Variablen “Versauerung der Ozeane” und “Süßwasserverbrauch” noch nicht überschritten. Allerdings löst unser Eingriff in die biogeochemischen Kreisläufe zwangsläufig eine Versauerung der Ozeane aus, auch wenn wir diesen Punkt noch nicht erreicht haben. Indem wir den Planeten, auf dem wir leben zerstören, sägen wir an dem Ast auf dem wir sitzen. Durch die Verknappung der Ressourcen, der Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion, der Ausbreitung von Trockenräumen und dem Anstieg des Meeresspiegels werden zukünftig noch mehr Menschen vertrieben und müssen fliehen. Wir zerstören nicht nur unseren Planeten, wir legen damit auch die Basis für neue Kriege. Kriege um Wasser, Nahrung und das schiere Überleben. Obwohl diese planetaren Grenzen in Teilen bereits von der internationalen Klimapolitik als Leitziele übernommen wurden, sehen wir in letzter Zeit einen Backlapse was die Bemühungen angeht: alle zeigen mit dem Finger aufeinander, niemand möchte anfangen. Es ist aber nicht mehr fünf vor zwölf, es ist bereits fünf nach zwölf. Diese Grenzen sind nicht verhandelbar, diese Grenzen sind absolut und es geht um unsere Zukunft.

Emissionen
Emissionen und ihr Effekt auf Klima und Umwelt sind ein zentraler Punkt der aktuell geführten Umweltdebatte. Emissionen meinen in diesem Fall vor allem die menschgemachten Emissionen, darunter besonders Kohlenstoffdioxid, Methan und Stickstoffoxide. Diese Gase sind hauptverantwortlich für steigende Temperaturen auf diesem Planeten und werden vom Menschen in unverantwortlich hohem Ausmaß in die Atmosphäre geschossen. Besonders der globale Norden trägt die Verantwortung für einen gewaltigen Teil der Klimaschäden durch Emissionen, während es den globalen Süden am härtesten trifft. Auch Deutschland ist mit seinen 80 Millionen Einwohner*innen in den Top 10 der globalen Emittent*innen vertreten. Diese Erkenntnis diktiert eine klare Handlungsweise! Am meisten Emissionen, über ein Viertel der Gesamtemissionen, entstehen bei Prozessen der Energie- oder Wärmegewinnung. Landwirtschaftliche Prozesse, Industrie und Verkehr folgen nach. Unsere Abhängigkeit von Kohlekraftwerken ist auf Dauer unhaltbar. Ohne die Förderung neuer und bestehender, alternativer Technologien ist eine Zukunft mit intakter Umwelt nicht zu bewerkstelligen. Landwirtschaftliche Prozesse, insbesonder Massentierhaltung tragen ebenfalls in besonderem Maß zur Klimakatastrophe bei. Methan wird besonders dort ausgestoßen, wo Nutzvieh zusammengepfercht auf die Schlachtung wartet. Das Roden von Wäldern oder Austrocknen von Sumpfland um immer neue Felder zu bewirtschaften tut sein übriges um einen gesunden Kreislauf von CO² zu torpedieren. Es wird eine bestimmende Aufgabe der Zukunft sein, die Nahrungsbedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung und nachhaltige Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Blicken wir auf produzierende Industrie, ist zu sehen, dass Emissionshandel gescheitert ist. Statt die Förderung emissionssparender Technologien zu fördern, wurde ein neues Spekulationsgut geschaffen, das es besonders Wirtschaftsriesen erlaubt weiter unverändert und unreflektiert zu produzieren. Es bedarf dringend neuer Mechanismen zur Emissionskontrolle, die einen deutlich progressiven Ansatz verfolgen und tatsächlich umweltbewusste Produktion lohnenswerter ausgestaltet. Blicken wir auf den Transport von Waren und Personen, müssen wir uns auch kritisch über die der Zukunft des Verbrennungsmotors unterhalten. Ganz besonders Straßenverkehr stößt unnötig viel Treibhausgase aus, währenddessen Schienentransport beinahe lächerlich geringe Emissionszahlen hat. Zivile Luftfahrt ist ebenfalls an der katastrophalen Emissionsbilanz beteiligt und bringt uns in die Verantwortung, die Zukunft des Reisens mit anderen Technologien in Verbindung zu bringen. Besonders die Schiene wird sich zwangsläufig als Mittel der Wahl herausstellen. Unser Umgang mit Bahngesellschaften wird maßgeblich dazu beitragen, wie bewohnbar dieser Planet in einigen Jahrzehnten sein wird. Auch private Haushalte leisten einen Beitrag zu Emissionen. Unsanierte Wohnungen haben einen stark negativen Einfluss auf Emissionsbilanzen und geben einen weiteren Grund, die Steigerung der Lebensqualität der Menschen in ihren Wohnräumen zu einem zentralen Thema zu machen. Deutlich wird, dass sich unsere Art und Weise zu produzieren und zu konsumieren verändern muss. Kohle ist keine zukunftsfähige Technologie. Stattdessen bedarf es der Förderung diverser erneuerbarer Energien und verstärkter Forschung auf dem Gebiet neuer sauberer Energie. Auch die Landwirtschaft bedarf neuer Konzepte um nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Ein zukunftsfähiges Transportkonzept muss vorsehen, den Verbrennungsmotor zum Auslaufmodell zu machen. Schienenverkehr ist unsere beste Alternative im Personen- und Warentransport und umweltfreundliche Sanierung muss ein erklärtes Ziel eines Klimaschutzprogramms sein. Die Ungerechtigkeit zwischen Verursacher*innen und Betroffenen bildet sich ganz offensichtlich nicht nur auf der globalen Ebene ab, sondern auch in der klaren Einteilung der Klassen. Diejenigen die in dieser Gesellschaft davon profitieren, wie produziert wird und sich folglich einen ähnlich verantwortungslosen Lebensstil mit Inlandsflügen und Luxuskarossen leisten, halten die Welt in Geiselhaft, während all jene, die mit oder ohne Arbeit versuchen sich von Tag zu Tag zu retten, durch den enormen Preisunterschied zwischen klimagerechten und verantwortungslos produzierten Produkten selten die Wahl haben Einfluss auf die eigene Klimabilanz zu nehmen. Eine Sozialdemokratie kann das nicht zulassen!

Deswegen fordern wir:
• Kohlestopp bis 2030, mit einem Perspektivkonzept für die Arbeiter*innen dieser Branche
• Nettonull bis 2035
• Förderung von erneuerbaren Energien stärken
• Mehr Geld für Erforschung alternativer Energien
• Eine Progressive Emissionssteuer anstelle von Zertifikatehandel
• Eine Neuordnung der Förderung für Landwirtschaft zur Begünstigung nachhaltiger Betriebe
• Konsequente Besteuerung für Abnehmer*innen von nicht-nachhaltigen Landwirtschaftsprodukten
• Ausbau von Schienennetzen und wieder in-betriebnahme alter Strecken
• Verstaatlichung der Deutschen Bahn
• Investition in alternative Antriebstechnologien
• Ab 2022 werden keine PKWs mit Verbrennungsmotor, welche mehr als 1000 Kubikzentimeter Hubraum haben, zugelassen. Ab 2030 wird die Zulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren komplett eingestellt.
• Eine größere Mindestquadratmeteranzahl pro Tier in der Tierhaltung
• Verbot von Inlandsflügen, außer auf den Strecken, auf denen die topographischen Gegebenheiten alternative Transportmöglichkeiten nicht möglich machen
• Mehr Investition in klimagerechtes Sanieren und Wohnen
• Eine Kerosinsteuer, die die Folgen für Mensch und Natur, sowie die externalisierten Kosten des Fliegens in den Kerosinpreis mit einbezieht

Biogeochemische Kreisläufe: Phosphor und Stickstoff
Neben der globalen Erwärmung durch von der Menschheit emittierte Treibhausgase, der immer größer werdenden Belastung der Ökosysteme durch Kunststoffe und dem Aussterben unzähliger Arten, stellen durch die Menschheit verursachte Verschiebungen in den biogeochemischen Kreisläufen des Planeten eine weitere Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen auf den Planeten dar und drohen die planetaren Belastungsgrenzen der Erde über die Maßen zu strapazieren. Dieses Problemfeld wird durch die aktuelle Krisenlage im Bereich des Klimawandels überschattet und finden in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie nicht statt. Doch auch hier droht die kapitalistische Produktionsweise die natürlichen Lebensgrundlagen auf dem Planeten durch immer intensivere Ausbeutung zu zerstören.
Durch industrielle Produktion, den Einsatz von Verbrennungsmotoren, aber auch insbesondere durch den Einsatz chemischer Dünger zu Aufrechterhaltung der Welternährung wird dabei durch die Menschheit insbesondere in den planetaren Stickstoff- und den Phosphorkreislauf der Erde eingegriffen. Nach der Studie der planetaren Belastungsgrenzen aus dem Jahr 2015, die den Versuch unternahm die Eingriffe in beide Kreisläufe zu definieren, wurde der jährliche Phosphoreintrag in die Meere, um das doppelte der berechneten Belastungsgrenze und die industrielle und beabsichtigte
biologische Bindung von Stickstoff fast um das dreifache überschritten.
Diese dauerhafte Überlastung biogeochemischer Kreisläufe wird in Zukunft fatale Folgen für den Planeten und damit auch für die Menschheit haben.
Der von Natur aus geschlossene Stickstoffkreislauf ist durch eine beinahe Versechsfachung des jährlichen Ausstoßes völlig außer Kontrolle geraten. Nitrate im Grundwasser stellen eine ernstzunehmende Gesundheitsbelastung dar und tragen zur fortschreitenden Versauerung der Böden bei. Der Ausstoß von Lachgas ( NO3), eines der am stärksten wirkenden Treibhausgase, verschärft die globale Erwärmung und eine Belastung der globalen Gewässer durch übermäßig viel Stickstoff und führt zudem zu fortschreitender Eutrophierung, also dem Kippen, globaler Oberflächengewässer.
Diese Eutrophierung, die im Katastrophenfall zu einem Massensterben in den Weltmeeren, dem sogenannten “anoxischen ozeanischem Ereignis” führt, wird auch den jährlichen Phosphoreintrag in die Weltmeere erhöhen. Hier ist zu beachten, dass die derzeit um das doppelte überschrittene Belastungsgrenze von 11 Teragramm pro Jahr ein solches Ereignis nicht ausschließt, sondern lediglich die Wahrscheinlichkeit des Eintretens um 1000 Jahre verzögern soll. Hauptursache des jährlichen überhöhten Phosphoreintrags ist auch hier die Verwendung in der Landwirtschaft. Aktuell wird ein Großteil des verwendeten Phosphors durch den Bergbau von Phosphoriten gewonnen. Diese gelangen über die Düngung in den Phosphorkreislauf. Aktuell stehen kaum technische Möglichkeiten zur Verfügung einmal in den Kreislauf gelangten Phosphor wiederzuverwenden. Die Folge ist das immer neuer Phosphor abgebaut und zur Düngung in den Kreislauf eingeleitet wird. Neben der damit stetig ansteigenden Belastung der Meere, droht dieses System in eine zweite Katastrophe zu führen. Die abgebauten phosphorhaltigen Gesteine stellen eine endliche Ressource dar, die vermutlich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts enden werden. Also zu einem Zeitpunkt, an dem die zu ernährende Weltbevölkerung auf ca. 10 Milliarden Menschen angestiegen sein wird.
Hier entsteht ein katastrophaler Widerspruch: auf der einen Seite wird Phosphor für die Weltversorgung mit Lebensmitteln ein zentraler Bestandteil als Düngemittel bleiben, auf der anderen Seite steigert der weitere Einsatz von Phosphor über die planetaren Belastungsgrenzen hinaus mit jedem Jahr die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines anoxischen ozeanischen Ereignisses, also des “Umkippens” der Weltmeere. Mit diesem ginge ein Massenaussterben einher, welches die globale Nahrungskette massiv destabilisieren, wenn nicht sogar zum einstürzen bringen würde.
Die einzige Lösung für diesen Widerspruch bietet die Schaffung eines menschlichen Phosphorkreislaufes, der neben den natürlichen Phosphorkreislauf gesetzt wird. Hierfür bedarf es einer Phosphorkreislaufwirtschaft: Wir brauchen Technologie, um die Menge des in die Weltmeere eingeleiteten Phosphors aus dem Kreislauf zu filtern und als Dünger wiederzuverwenden. Für eine solche Kreislaufwirtschaft braucht es jedoch neue technologische Ansätze, für die es eine massive Intensivierung der globalen Forschungsbemühungen bedarf.

Deswegen fordern wir:
• massive Intensivierung der Investitionen in die Forschung zur Lösung des Problems des Phosphorkreislaufes und Stickstoffkreislaufes
• ein internationales Abkommen zur Entlastung der biogeochemischen Kreisläufe, das die Begrenzung der weltweiten Einleitung von Stickstoff auf 62 Teragramm pro Jahr sowie von Phosphor auf 11 Teragramm pro Jahr vorsieht.

Plastik
Kunststoffe wirkten wie ein Segen für die Menschheit. Es gab kein Material vergleichbar in seiner vielseitigen Verwendbarkeit. 1950 wurde weltweit eine Million Tonnen Kunststoffe produziert – momentan sind es jedes Jahr ca. 370 Millionen Tonnen. Seit 1950 wurden weltweit etwa 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff hergestellt. Die Hälfte davon in den letzten 13 Jahren. Von diesen 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff wurden etwa 6,3 Milliarden Tonnen zu Abfall, welcher zu 9% recycelt wurde, zu 12% verbrannt und zu 79% auf Müllhalden deponiert wurden oder sich in der Umwelt anreichert. Erschreckende 10 Millionen Tonnen Plastik landen laut Schätzungen von UNEP (United Nations Environment Programme) jedes Jahr in den Ozeanen. Jedes Jahr sterben 135.000 Meeressäuger und eine Million Vögel an den Folgen dieses Plastikmülls in den Meeren.

Etwa 1 Billion Plastiktüten werden jährlich verbraucht (Deutschland: 2,4 Milliarden). All diese Tüten aneinandergelegt umrunden unseren Äquator (40.000 km) 10.000 Mal. Für die Natur ist die Plastik-Flut eine Katastrophe, denn nur ein Bruchteil der in Europa verbrauchten Plastiktüten werden recycelt. Etwa 90% der Tüten landen auf Mülldeponien, wo sie dann vor sich hin rotten und noch schlimmer: von dort durch den Wind oder über Flüsse ins Meer und damit in ein sehr komplexes Ökosystem. In den Ozeanen bilden die Plastiktüten bereits den zweithäufigsten Abfall. Auch in Deutschland werden pro Kopf und Jahr immer noch 29 Plastiktüten verbraucht (Quelle: Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung), das macht 4.500 Plastiktüten pro Minute! Zu viele Plastiktüten werden weiterhin kostenlos oder für wenig Geld herausgegeben. Landen sie in der Umwelt, dann stellen sie eine Gefahr für Lebewesen dar. Bis sie vollständig zerfallen, benötigen sie je nach Kunststoff und Dicke zwischen 20 und 100 Jahre. Warum auch biologisch abbaubare Plastiktüten verbieten?

Biologisch abbaubare Plastiktüten werden in der Regel aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen hergestellt und haben durch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln hohe Umweltauswirkungen. Die meisten biologisch abbaubaren Plastiktüten bauen sich unter industrietechnischen Bedingungen ab, jedoch nicht in der Natur, auf dem Heimkompost oder im Meer. Bioplastiktüten werden regelmäßig aus der Biotonne aussortiert, weil sie sich nicht so schnell zersetzen wie der normale Bioabfall. Deshalb können Plastikreste im Kompost übrigbleiben. Einwegpapiertüten sind doch eine gute Alternative, oder? Leider nicht. Die Papiertüte ist keine umweltfreundliche Alternative. Um dieselbe Reißfestigkeit wie Plastiktüten zu haben, sind sie fast doppelt so schwer. In der Herstellung verbrauchen Papiertüten deshalb mehr Ressourcen als ihre Pendants aus Plastik: Energie, Wasser und Chemikalien. Ihre Nutzungsdauer ist mit 25 Minuten genauso kurz wie die von anderen Wegwerftüten. Einziger Vorteil ist der problemlose Abbau in der Natur. Jedoch sind auch diese Ressourcen begrenzt. Grundsätzlich gilt: Mehrweg statt Einweg!

Zur Herstellung von Kunststoffen wird die fossile Ressource Erdöl benötigt. Und damit der Kunststoff nach der Herstellung seine so wertgeschätzte Flexibilität erhält, werden bei der Produktion des Plastiks sogenannte Additive beigemischt. Dabei kann es sich um Weichmacher, Färbemittel, Stabilisatoren, Flammschutzmittel und viele weitere Dinge handeln. Doch wofür werden Kunststoffe verwendet und warum erscheint uns ein Leben ohne sie so unvorstellbar? Den größten „Plastikbedarf“ gibt es momentan in den folgenden Feldern: Verpackungen (ca. 40 %), Bauwesen (20 %), Automobilbranche (9 %) und die restlichen 31% finden Verwendung in Konsum-, Haushalts-, Sportartikel, Möbel, Artikel für Gesundheit & Sicherheit.

Die Kunststoffe reichern sich aufgrund unzureichenden Recyclings nach ihrer Verwendung in Ökosystemen an und sind eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Denn das in Umwelt angereicherte Plastik verrottet nicht – Es zerfällt höchstens, und zwar sehr langsam. Eine Plastiktüte braucht circa 100 Jahre und eine Plastikflasche 450 Jahre. Aber damit ist das Problem nicht gelöst, sondern es geht erst richtig los. Denn sobald Kunststoffprodukte zu zerfallen beginnen, entsteht über kurze oder lange Zeit das sogenannte Mikroplastik.

Momentan gibt es noch keine international anerkannte Größeneinteilung von Plastikpartikeln – in der Regel spricht man von Mikroplastik bei Plastikpartikeln, die kleiner sind als 5 mm. Bei Mikroplastik unterscheidet man Mikroplastik vom Typ A, welches gezielt hergestellt wird, Mikroplastik vom Typ B, welches während der Nutzung freigesetzt wird und sekundäres Mikroplastik, das durch langsame Fragmentierung in der Umwelt entsteht. Mikroplastik vom Typ A sind beispielsweise Reibkörper in Kosmetik, polymere Strahlmittel oder Kunststoffpellets. Der Abrieb von Reifen oder beim Waschen freigesetzte synthetische Fasern sind Mikroplastik vom Typ B. Mikroplastik vom Typ A und B werden auch als primäres Mikroplastik bezeichnet. Das sekundäre Mikroplastik beinhaltet alle Partikel, die durch Fragmentierung von größeren Kunststoffteilen entstehen. Landet nämlich ein größeres Kunststoffteil in der Umwelt so ist es Sonnen-/UV-Licht, Mikroorganismen, Oxidation oder mechanischem Abrieb ausgesetzt, wodurch es zu Mikroplastik zerfällt.

In Deutschland liegen die gesamten Kunststoffemissionen in Form von Mikroplastik bei 330.000 Jahrestonnen (t/a). Als größte Quellen (Top 10) können angegeben werden: Abrieb von Reifen, Emissionen bei der Abfallentsorgung, Abrieb von Polymeren und Bitumen in Asphalt, Pelletverluste, Verwehungen von Sport- und Spielplätzen, Freisetzung auf Baustellen, Abrieb von Schuhsohlen, Kunststoffverpackungen, Fahrbahnmarkierungen und Faserabrieb bei der Textilwäsche.
Für das primäre Mikroplastik sind die folgenden drei Bereiche als Hauptquellen identifiziert worden: Verkehr, Infrastruktur und Gebäude (62%), Privater Konsum, gewerbliche Endanwender (24%) und das produzierende Gewerbe (14%). Das primäre Mikroplastik des Typen B ist für deutlich mehr Emissionen (89%) verantwortlich als jenes vom Typ A (11%).
Kunststoffemissionen (= Verlust aus dem Stoffkreislauf) bestehen in Deutschland zu 26% aus Makroplastik und zu 74% aus Mikroplastik. Mit den Kunststoffen werden ca. 20.070 t/a Additive emittiert.

Doch wie finden Makro- und Mikroplastik ihren Weg in unsere Ökosysteme und wie verbreiten sie sich weiter? Makroplastik gelangt vor allem durch Littering (Achtloses Wegwerfen von Müll auf öffentlichen Plätzen) und illegale Müllentsorgung in die Umwelt. Eintragsquellen von Mikroplastik in das Abwasser sind ausgespülte Kosmetikprodukte, industrielle Abwässer und gelitterte Kunststoffe, die z. B. bei Regen von versiegelten Flächen in die Kanalisation gelangen. Im Klärschlamm bewegen sich die Angaben im Bereich von 1.000 bis über 20.000 Plastikpartikeln pro Kilogramm Trockenmasse. Von dort aus verbreitet sich das Mikroplastik weiter, indem der Klärschlamm zum Beispiel zur Düngung genutzt wird. Auf den Feldern ist das Mikroplastik Wind und Regen ausgesetzt und es findet eine weitere Verbreitung statt. Abfalldeponien spielen eine weitere große Rolle. Ebenfalls kann sich Mikroplastik über die Luft verbreiten in Form von Schwebe- bzw. Feinstaub, welcher mit dem Wind transportiert wird. Feinstaub kann über die Atemwege bis in die Lunge gelangen und zahlreiche Erkrankungen hervorrufen.

Makro- und Mikroplastik haben diverse schädliche Folgen für die Umwelt, Tiere und Menschen. Es können gefährliche Stoffe, die Kunststoffen bei der Herstellung und/ oder Verarbeitung zugesetzt wurden, beim Verbleib des Kunststoffs in der Umwelt auslaugen (Leaching). Bei diesen Stoffen handelt es sich zum Beispiel um Weichmacher, Flammschutzmittel, UV-Stabilisatoren oder Farbstoffe, Blei- sowie organische Zinn- und Cadmiumverbindungen.
Weiterhin können Schadstoffe, die sich in verschiedenen Umweltkompartimenten befinden, beim Kontakt mit (Mikro-)Plastik an der Partikel-Oberfläche anhaften und sich dort anreichern. So können sich sowohl organische als auch metallische Schadstoffe in der Nahrungskette anreichern und nachhaltig das Erbgut und den Hormonhaushalt mariner Lebewesen beeinflussen. Auch sind in der Langzeitfolge schädliche Auswirkungen auf den Menschen nicht auszuschließen.

Ebenfalls muss Mikroplastik auch als Schadstoff an sich in Betracht gezogen werden. Nimmt man Mikroplastik-Partikel größer 5 µm über die Nahrung auf, ist das Ausscheiden über den Magen-Darm-Trakt sehr wahrscheinlich. Damit ein Partikel Organe und Zellwände durchdringen kann, muss es im Nanometer-Bereich (also kleiner als 1 µm) sein. Bei Eintritt in den Blutkreislauf können die Mikroplastik-Partikel nicht tiefer in Organe eindringen, sondern werden wahrscheinlich über die Milz eliminiert. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Mikroplastik Effekte auf das Immunsystem und Entzündungsreaktionen hat. Bislang ist dies aber nur für Miesmuscheln dokumentiert. In Analogie zu Feinstaub (Partikelgrößen kleiner 10 µm) können auch Mikroplastik-Partikel kleiner 10 µm über die Atemwege in das Bronchialsystem des Menschen gelangen, Partikel kleiner 2,5 µm bis in die Alveolen. Inhalationsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Feinstaub und allergischen Reaktionen, Asthma, Krebs und Herzkrankheiten. Es ist davon auszugehen, dass Mikroplastik aus Reifenabrieb über die Atemwege in den menschlichen Körper gelangt.

Aus dieser Problematik ergeben sich folgende Forderungen:
• Ausbau und günstigere Gestaltung des ÖPNV, um den Reifenabrieb drastisch zu reduzieren
• Verbot von Mikroplastik des Typ A in Kosmetikprodukten (Kosmetik, Körperpflege, Hygieneprodukte etc.)
• Verbot von Einwegtüten aus Plastik (Neu- oder Recyclingmaterial sowie biologisch abbaubaren Kunststoffen) und Papier
• Schrittweise Reduzierung bis hin zum Verbot von Einweg-Plastikprodukten (v.a. Verpackungen), z.B. über eine Plastiksteuer
• Verstärkte Forschung in den Bereichen:
• Folgen von Mikroplastik auf den Menschen
• “Rückgewinnung” des Mikroplastik (zB. Filter, Teilchenfänger)

Artensterben
Auf der Erde gibt es ungefähr 2 Millionen verschiedene Arten. Das ist nur der gezählte Wert, Schätzungen schwanken zwischen 3,6 Millionen und 112 Millionen Arten. Diese Artenvielfalt nennt man auch Biodiversität. Davon zählen – je nach Gattung – mittlerweile bis zu 33% als bedroht. Gerne würden Wissenschaftler*innen das genauer definieren, allerdings sind nicht alle Gattungen von Lebewesen gleich gut erfasst, wodurch eine Hochrechnung auf alle Arten statistisch nicht möglich ist.

In den Planetaren Grenzen des Teams von Wissenschaftler*innen unter der Leitung von Johan Rockström ist ein maximaler Biodiversitätverlust, also ein Aussterben von 10 Arten pro eine Million im Jahr für unseren Planeten und seine Biodiversität verkraftbar. Aktuelle Schätzungen belaufen sich auf 100 bis 1000 Arten pro eine Million im Jahr seit der Industrialisierung, was einem Massenaussterben gleichkommt. Dieses Aussterben kann, im Gegensatz zu Massensterben in vergangenen Zeiten, durch verschiedene Faktoren auf den Menschen als Ursache zurückgeführt werden.

Wir zerstören natürliche Lebensräume durch Übernutzung und Waldrodungen. Wir verkleinern damit das natürliche Habitat der dort lebenden Arten und verändern Ökosysteme, die noch weithin als natürlich gelten. Wie viele und welche Arten aussterben, lässt sich im vorhinein nur schwer ermitteln. Auch durch die exzessive Nutzung von Pestiziden für die Landwirtschaft, die sich in den letzten 4 Jahrzehnten auf 2,5 Millionen Tonnen jährlich verdreifacht hat – beeinflusst massiv die natürlichen Lebensgemeinschaften.

Durch die rapide Veränderung des Klimas können viele Arten sich nicht schnell genug anpassen – immer wieder hört man von abgemagerten Eisbären, deren natürlicher Lebensraum und damit auch die Jagdgrundlagen nicht mehr existieren, wie noch vor 30 Jahren. Fatal ist hierbei auch die Wechselwirkung zwischen Klimaveränderung und der Vernichtung von Lebensräumen: mögliche Rückzugsorte sind aufgrund der exzessiven Nutzung durch den Menschen oder die Zerschneidung natürlicher Lebensräume für die Arten schlicht nicht mehr erreichbar. Auch das gut gemeinte Netz an Schutzgebieten passt möglicherweise durch die Klimaveränderung und Habitatverschiebung möglicherweise nicht mehr für alle Arten.

Auch durch Einschleppung von fremden Arten und Krankheiten werden einheimische Arten verdrängt. Vor allem Inselökosysteme, die sich mitunter Jahrhunderte ohne große Fremdeinwirkung entwickeln konnten, haben dieser Invasion oft nichts entgegenzustellen. Hierbei sei allerdings erwähnt, dass die lokale und regionale Artenvielfalt durchaus zunehmen kann. Dies bildet allerdings kein Widerspruch zum massiven Artensterben auf globaler Ebene.

Forscher*innen vermuten schwerwiegende Einflüsse auf die Erdsystemfunktionen. Die genauen Auswirkungen sind allerdings schwer abzuschätzen, da die vielen Verflechtungen nicht hinlänglich bekannt sind.

Deswegen fordern wir:
• regelmäßige Evaluation, Veränderung und Vergrößerung von Schutzgebieten
• Umfangreiche staatlich (und überstaatlich) geförderte Artenschutzprogramme
• Eindämmung der Waldrodungen und neue Bepflanzung von Wäldern
• Ein EU-weites ausnahmsloses Verbot der Einfuhr von Trophäen und anderen Erzeugnissen der Großwildjagd.
• Ein konsequentes Einsetzen auf internationaler Ebene für Verbote der Großwildjagd und des Walfangs
• Eindämmung der konventionellen Landwirtschaft mit Pestiziden mit gleichzeitiger Förderung von regionaler nachhaltiger Landwirtschaft
• Eine ordnungsrechtliche Regulierung von Schottergärten

Soziale Dimension
Der Klimawandel und die Verschmutzung unseres Planeten sind die größte Herausforderungen unserer Zeit. Eine Schwierigkeit ist dabei die Menschen davon zu überzeugen, dass ihr persönliches Handeln bei der Größe der Thematik ein wichtiger Schritt ist und sie nicht benachteiligt werden. Die Grundsätze einer gesunden Lebensumwelt, von Chancengleichheit und Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit im globalen Kontext sind die zentralen Aspekte, mit denen Menschen für Klimaschutz motiviert werden können.

Laut IPCC-Bericht (Intergovernmental Panel on Climate Change) werden die Klimaänderungen besonders in afrikanischen und asiatischen Ländern zu drastischen Beeinträchtigungen der Landwirtschaft führen. In einigen afrikanischen Ländern drohen die Erträge aus der Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 um 50% reduziert zu werden. Auch geht man davon aus, dass bis 2020 zwischen 75 und 250 Millionen Menschen unter Wasserknappheit leiden werden. Wiederum in asiatischen Ländern rechnet man mit dem Anstieg des Meeresspiegels in Kombination mit einer Zunahme von Stürmen und Niederschlagsmengen in Küstenregionen.

Diese beiden Faktoren werden voraussichtlich zu einer Fluchtbewegung der jeweiligen Bevölkerungen führen, welche bis dato nie in jener Größenordnung geschehen ist.
Die Herausforderung für die Gesellschaft, ob in Europa, Asien oder Afrika, ist die Folgen des Klimawandels sozialverträglich zu gestalten. Ein klimafreundlicher und ökologisch gerechter Lebensstil darf kein Luxus der Einkommensstärkeren sein, sondern muss für alle Gesellschaftsschichten leistbar und positiv sein. Doch schon heute werden die Einkommensschwachen z.B dadurch bestraft, dass sie in einer unsanierten Wohnung mehr heizen und dadurch mehr für Strom zahlen müssen. Aber auch beim alltäglichen Konsumverhalten macht sich bemerkbar: wer “bio” leben will, muss es sich leisten können.
Die Produktion von biologisch gerecht angebauten Lebensmitteln, artgerechte Haltung von Tieren oder die Produktion von effizienten und langlebigen Elektrogeräten sind für die Konsumenten teurer und dadurch unattraktiver als umweltbelastende Billigprodukte. Dies muss im Sinne des Klimawandels und einer sozialen Gesellschaft umgekehrt und gefördert werden.

Deswegen fordern wir:
• Ermöglichung von genossenschaftlichen Handlungsmöglichkeiten
• Subventionierung von umweltfreundlichen Produkten
• Förderung von sozialen, klimafreundlichen Wohnbau/-sanierung
• Sensibilisierung der Gesellschaft für den Klimaschutz
• gerechte Verteilungspolitik
• z.B internationale Hilfe für Entwicklungsländer bei der Klimaproblematik
• Förderung eines flächendeckenden ÖPNVs

Wir fordern die SPD auf allen Ebenen und in allen Fraktionen dazu auf, das Thema Klima- und Umweltschutz nicht mehr stiefmütterlich zu behandeln, sondern als erste Priorität zu betrachten. Sie muss sich auch im internationalen Kontext dafür einsetzen, damit neue und bessere Klimaabkommen beschlossen und sich daran gehalten wird. Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist bereits fünf nach zwölf und es geht um unsere Zukunft.