G3 Männlichkeit kritisch reflektieren!

Toxische Männlichkeit: Was ist das eigentlich?

Noch immer herrscht in unserer Gesellschaft ein bestimmtes Idealbild von Männlichkeit vor. Männer müssen stark sein. Schwäche und Gefühle sind unmännlich. Männer weinen nicht, sie essen Fleisch, müssen die Familie ernähren, Frauen und Männer können keine Freund*innen sein und vor allem sind Männer allzeit potent und wollen immer Sex. Dieses Rollenbild beeinflusst, wie Männer in unserer Gesellschaft sozialisiert werden und trägt maßgeblich zur Manifestation des Patriarchats bei.

 

Männlichkeit ist stark mit Erwartungen aufgeladen und so muss diese immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt werden. Das beginnt bereits im Kindesalter, wenn Jungen “keine Mädchen” sein sollen, zieht sich durch die Phase des “Erwachsenwerdens”, während der diese Erwartungen einen enormen Einfluss auf die Entwicklung haben und wird schließlich auch im Alter eingefordert. Schwäche wird stets mit Weiblichkeit gleichgesetzt und als unmännlich kritisiert. So sollen Jungen und Männer keine “Heulsusen” sein, keine “Memmen”, nicht solche “Mädchen” und auch keine “Schwuchteln”. Die damit verbundenen Stigmatisierungen sitzen in unsere Gesellschaft tief. Die Abwertung des ,,Weiblichen’’ geht dabei mit der Aufwertung des,, Männlichen’’ einher.

Um nicht mit vermeintlich weiblichen Attributen in Verbindung gebracht zu werden, müssen Männer sich permanent beweisen. Dies geschieht durch Wettbewerb untereinander und wird ritualisiert  in der eigenen Bezugsgruppe wiederholt, wie zum Beispiel im Rahmen von Mutproben. So manifestieren sich die Vorstellungen von Männlichkeit und werden schließlich als Normalität betrachtet.

 

Es geht bei toxischer Männlichkeit nicht darum, jedes Verhalten von männlich sozialisierten und identifizierenden Personen per se als negativ zu brandmarken. Vielmehr geht es darum die Wirkmacht weit verbreiteter Stereotype und repressiven Vorstellungen der männlichen Geschlechterrolle aufzuzeigen. Diese bestimmen maßgeblich welche Verhaltensweisen, Emotionen und welches Auftreten von Jungen und Männern akzeptiert werden und welche unerwünscht sind. Das “toxische” an dieser Idealvorstellung von Männlichkeit hat  demnach sowohl negative Auswirkungen für Männer, als auch für Frauen. Auch Personen, die sich nicht in die starre binäre Einteilung der Geschlechter einteilen wollen und können, erleben Nachteile durch die gesellschaftliche Vorstellung von Männlichkeit.

 

Unser Umgang mit toxischer Männlichkeit und ihren Folgen

 

GESELLSCHAFT

Feministische Visionen und Strömungen sind in unserer Gesellschaft immer noch nur Oberflächlich bekannt, warum Feminismus nicht nur Frauen* sondern auch explizit Männer etwas angeht ist noch deutlich weniger präsent. Männer fühlen sich durch feministische Diskurse häufig eher angegriffen und unter Druck gesetzt und das hat seinen guten Grund: Feminismus ist kein Service-Angebot. Schon gar nicht für Männer. Es gibt zur Zeit keine breit akzeptierte soziale Praxis von ‚Männlichkeit‘ die aus emanzipatorischer Sicht als unbedenklich erscheint. Die Suche nach etwas „Gutem“ für Männer im Feminismus stellt den gesamte Charakter und den politische Sinn dieser Bewegung auf den Kopf. Feminismus kann nicht in der Rechtfertigungsposition gegenüber „Männern“ sein. Von einer kritischen Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit profitieren alle Menschen, auch Männer können so konkret einen anderen Umgang mit Männlickeit finden. Es ist klar, eine Veränderung in der Gesellschaft werden wir nur gemeinsam stemmen können.

 

 

VERBAND

Wir sind ein feministischer Richtungsverband, zum Glück definieren sich bei uns auch sehr viele Männer* als Feministen. Häufig fehlen aber Handlungsoptionen und das eigene feministische Selbstverständnis beschränkt sich auf die Solidarisierung mit feministischen Kämpfen. Für uns ist essentieller Bestandteil dieses Kampfes, Männlichkeit zu reflektieren und für unser Verständnis als feministischer Verbandes zu sensibilisieren. Es muss einen intensiveren Diskurs über kritische Männlichkeit und verfestigte Rollenbilder in der Gesellschaft, aber eben auch in unserem Verband geben.

 

Unser Ziel ist, dass alle ein  Verständnis von der eigenen Sozialisation und Subjektivierung erlangen und diese im Anschluss kritisch zu reflektieren.

Wir wollen Awareness für Probleme schaffen, die durch toxische Männlichkeit entstehen. Vielen ist oft überhaupt gar nicht bekannt, was toxische Männlichkeit bedeutet und wie diese sich auswirkt. Oder die Debatte wird falsch geführt und fällt dadurch hinter unser feministisches Selbstverständnis zurück. Unsere Aufgabe muss es sein, dass Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und eine Debatte über kritische Männlichkeit anzustoßen, die nicht nur im Rahmen unseres Verbandes stattfindet.

 

AWARENESSTEAMS

Durch bereits jetzt schon vorhandene Awarenessteams bei unseren Veranstaltungen tragen wir dazu bei, dass sexistisches Verhalten in einem “safe space” angesprochen werden kann und nötige Schritte dagegen eingeleitet werden. Problematisches Verhalten, welches auch durch die Vorstellung von Männlichkeit in unserer Gesellschaft entsteht, sagen wir somit ganz klar den Kampf an! Durch eine ständige Reflektion unserer Awarenessarbeit wollen wir wo es notwendig ist nachbessern. Den Awarenessleitfaden des Bundesvorstands wollen wir den Vorständen unseres Verbandes, als Orientierung, auf geeignete Weise zur Verfügung stellen und damit ein Angebot schaffen die örtliche Awarenessarbeit zu unterstützen   Vorhandenes Wissen in unserem Verband wollen wir noch stärker als bisher nutzen. Im Rahmen unserer Awarenessarbeit wollen wir auch physisch einen safe space schaffen und FLINT*-Räume auf unsere Großveranstaltungen etablieren.

 

GENDERPLENA

Regelmäßig stattfindende Genderplena auf unseren Veranstaltungen sind ein weiterer Schritt, um toxischer Männlichkeit zu begegnen.

Die Trennung in ein Frauen*plenum und ein Plenum zur kritischen Reflektion von Männlichkeit ermöglicht es einerseits für Frauen* in unserem Verband einen “safe space” zu schaffen, bei dem ein Erfahrungsaustausch ermöglicht wird, der empowernd wirken soll. Damit wollen wir außerdem an die bereits erfolgte Frauen*vernetzung der letzten Jahre anknüpfen. Andererseits kann in einem kritischen Männlichkeitsreflektionsplenum dafür gesorgt werden, dass Männer in unserem Verband sich ihrer Privilegien bewusst werden, Männlichkeitsbilder kritisch reflektieren und somit auf eine Problematik aufmerksam gemacht werden, die im Alltag eher nicht aus feministischen Gesichtspunkten betrachtet wird. Zusätzlich zu Genderplena wollen wir eine queere Vernetzung in einem geeigneten Format ermöglichen.

 

PARTEI

Auch in der SPD wollen wir das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Awarenessarbeit und kritischer Männlichkeitsreflektion stärken. Auf dem Bundesparteitag 2017 in Berlin wurde beschlossen dauerhafte Ansprachesturkturen für Vorfälle von sexualisierter Gewalt in der Partei schaffen zu wollen und in besonders schweren Fällen auch die Schiedskommissionen konsequent zum Einsatz kommen zu lassen. An diesen Beschluss wollen wir anknüpfen, Awarenessstrukturen in der SPD vorantreiben und die Debatte um toxische Männlichkeit mit und in der SPD führen.