U20 Nachhaltige Bildungseinrichtungen

Beim 24. Klimagipfel im vergangenen Jahr 2018 in Kattowitz wurde ein Kompromiss geschlossen, um ein internationales Regelwerk zur Umsetzung nationaler Klimaschutzziele zu erlangen. Verbindlich wurde sich auf das „Zwei-Grad-Ziel“ als oberstes Maximum, besser 1,5 °C geeinigt. Dieses Ziel, so war es allen bewusst, kann jedoch nur erreicht werden, wenn in den kommenden Jahren der Ausstoß von Treibhausgasen gesenkt wird. Zieht man eine Bilanz des bisher Erreichten, so sind viele Umweltverbände, Entwicklungshilfsorganisationen und Klimaforscher*innen sehr enttäuscht. Laut Aussagen vieler Klimaforscher*innen könnte selbst das gesteckte 2-Grad Ziel, wenn es denn eingehalten würde, nicht weitreichend genug sein. Auch die UN-Klimakonferenz Ende Juni 2019 in Bonn zeigte, dass großer Handlungsbedarf besteht.

Die CO2-Konzentration unserer Atmosphäre liegt heute um mehr als 40% höher als im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung. Einige Folgen sind in den letzten Jahren spürbar geworden – Die Durchschnittstemperatur steigt, Hitzewellen kommen immer häufiger und neue Rekordtemperaturen werden erreicht. Dies ist nicht nur vor allem für kleine Kinder und ältere Leute problematisch, sondern führt zu Dürren oder Überflutungen. Ernten fallen schlechter aus und der Meeresspiegel stieg bereits um 25 cm an.

Auch wenn einige politische Kräfte wie Trump und Teile der AfD die menschliche Verantwortung darüber leugnen sind sich fast alle Wissenschaftler*innen einig, dass der Klimawandel durch den Menschen – durch uns – ausgelöst wurde. 2015 sicherte die Bundesregierung zu ihrem Beitrag zu leisten um die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Um einen wirksamen Anteil zum Klimaschutz als eine der Industrienationen zu leisten, ist es unabdingbar die Probleme ernst zu nehmen und daher zu beschließen,

  • Dass es wichtig ist uns zu positionieren und Klimaleugner*innen entgegenzutreten.
  • Als klimabewusste Menschen versuchen wir eine „klimaneutrale“ Gesellschaft aufzubauen, in der wir nicht mehr CO2 und andere Gase entlassen, als die Erde vertragen kann.

Klimaschutz ist für uns auch immer eine sozialdemokratische Angelegenheit. Vorschriften zum Biokonsum, High-Tech Klima-Autos und Co. Sind nicht von allen bezahlbar. Wir müssen versuchen alle in der Gesellschaft mitzunehmen und daher auch auf die Arbeitnehmer*innen Rücksicht nehmen und beispielsweise Jobalternativen durch Umschulungen bieten. Wer es sich leisten kann teurere Produkte zu kaufen und wer nicht, wird vor allem in Bildungseinrichtungen deutlich. Dabei sollten gerade Bildungszentren eine Vorreiter*innenrolle übernehmen und als klimaneutrale Wissensstätten verstanden werden. Gerade hier kann Klimaschutz mit Bildung verbunden werden.

  • Unser Ziel ist es daher klimaneutrale Bildungseinrichtungen auszubauen.

Energieeffiziente (Gebäude)Strukturen

  • Die Gebäude der Bildungseinrichtungen müssen durch Sanierungen und Wärmedämmungen energieeffizienter umgestellt werden.
  • Die Energieversorgung soll auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden
  • und Zeitschaltpläne für elektronische Geräte und Beleuchtungen eingeführt werden – Drucker und Co werden meist nicht in der Nacht benötig!
  • Außerdem sollen Bildungseinrichtungen auch auf eigene regenerative Energieversorgungen wie Solaranlagen zugreifen können.
  • Auf dem gesamten Gelände der Bildungseinrichtung sollten Behälter für eine effiziente Mülltrennung zur Verfügung gestellt werden.

Nicht nur im Schulalltag, sondern auch in der Verwaltung ist der Papierverbrauch mitunter noch enorm hoch und muss reduziert werden. Wir fordern daher

  • Die Etablierung einer papierlosen Bürokratie an den Bildungseinrichtungen
  • Den Aufbau kostenfreier Möglichkeiten papierfrei zu arbeiten zum Beispiel durch kostenlose Scanner
  • Vermehrter Einsatz von digitalen Geräten

Mobilität

Ca. 15 % des globalen CO2-Emissionen stammen aus dem Bereich der Mobilität und Transport. Immer mehr Kinder werden mit dem Auto quasi bis zur Eingangstür gebracht, dies ist weder Klimagerecht noch verkehrssicher. Wir streben einen Weg zur Bildungsstätte an, der ohne Individualverkehr bezwingbar ist.

Gerade Grundschulkinder sollten, wenn die Länge des Weges es zu lässt, einen sicheren Weg zu Fuß bestreiten können.

  • Dafür sollen die Wege auf ihre Sicherheit kontrolliert werden und gegebenenfalls mit weiteren Lampen und Zebrastreifen ausgestattet werden.
  • Zudem sollte geprüft werden, ob Optimierungsmaßnahmen wie die Aktion „Gelbe Füße“, „Walking Bus“[1] oder Schüler*innenlots*innendienst eingeführt werden können und sinnvoll erscheinen.

Außerdem soll die Möglichkeit ausgebaut werden mit dem Fahrrad zu fahren.

  • Auch hierfür müssen die Wege auf ihre Sicherheit kontrolliert werden und die Radwege und Bordsteinübergänge ausgebaut werden.
  • Außerdem müssen genügend Stellplätze für die Fahrräder zur Verfügung gestellt werden.

Falls die Schule weiter weg ist, sollte die Infrastruktur an ÖPNV entsprechend ausgebaut werden. Daher fordern wir

  • den Ausbau des ÖPNV auf Wegen zu Bildungseinrichtungen

Damit auch alle Kinder die Möglichkeit haben auf individuellen Autoverkehr zu verzichten, selbst wenn der Schulweg sehr lang ist,

  • Mittelfristig müssen alle Schüler*innen einen Zugang zu kostenlosen Fahrkarten haben, also auch in der Oberstufe. Langfristig bleibt die kostenlose Bereitstellung von ÖPNV unser Ziel.

Gastronomie

Die Art und Weise wie sich Deutsche ernähren und Getränke konsumieren führt allein hier schon zu einem CO2 Ausstoß von ca. 2 Tonnen pro Person im Jahr! Sei es durch Methanausgase von Rindern oder die in der Landwirtschaft genutzten Lachgasemissionen. Ein Ökologischer Landbau würde zur Reduktion der Umweltbelastung beitragen. Mit Blick auf die CO2-Äquivalente lässt sich feststellen, dass die effektivste Maßnahme aber nicht allein im Umstieg auf biologische Produkte, sondern auf der Vermeidung von tierischen Produkten liegt. Der hohe Fleischkonsum in den Industrieländern verknappt die weltweiten Flächen, die für Nahrungsmittelanbau zur Verfügung stehen. Deutschland importiert zum Beispiel jedes Jahr 4 Mio. Tonnen Sojaprodukte aus den Tropen und Subtropen (= ca. 1,3 Millionen Hektar fruchtbares Land!). 80 % dieses Imports wird an Tiere verfüttert. Auch der Flächenverbrauch ist bei pflanzlichen Produkten geringer. Die Forderung besteht aber nicht darin Fleisch aus den Kantinen komplett zu verbannen, sondern ein abwechslungsreiches, gut schmeckendes und qualitativ hochwertiges pflanzliches Angebot zu schaffen und auszubauen. Auch sollte vermehrt auf regionale Produkte zurückgegriffen werden.

  • Mehr kostenloses vegetarisches und veganes Essen in Mensen
  • Verkürzung von langen Transportwegen durch mehr Kooperationen zwischen Mensen und Cafeterien und regionalen Lebensmittelanbieter*innen

Um Essensreste zu vermeiden soll zudem vor Ort geprüft werden ob ein Angebot mit 2 verschieden Portionsgrößen sinnvoll erscheint. Wichtig bei dem Angebot ist, dass es für alle bezahlbar bleibt.

  • Ziel ist eine bestmögliche Vermeidung von organischem und anorganischem Abfall
  • Zudem sollen an Wasserspendern die eigenen Trinkflaschen wiederbefüllt werden können
  • Zudem sollte auf Einmalgeschirr verzichtet werden

Nachhaltigkeit als Lerninhalt

Gerade Bildungseinrichtungen sind für eine Wissensweitergabe prädestiniert. Das Thema Klimawandel muss daher nicht nur im Unterreicht (wie es teilweise schon der Fall ist) sondern möglichst auch durch AGn bespielt werden. Sei es, dass Kinder lernen können einen Garten zu bepflanzen, die Bildungseinrichtung einen kleinen begehbaren „Wald “anpflanzt oder spielerisch den Aufbau von Windkraftwerken erklärt bekommen. In der Zukunft werden wir viel mehr Forschung als zu vor in diesen Bereichen benötigen und Kinder, die sich dafür interessieren daher frühzeitig fördern. Wir fordern daher,

  • Die Einbindung des Themas Klimaschutz in den das Alltag der Bildungseinrichtungen und wenn möglich das Anbieten von weiteren AGn, die die Kinder mit der Natur und dem Klima in Berührung bringen
  • Die stärkere und fächerübergreifende Einbindung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Kerncurriculum

Finanzierung

Eine Bildungseinrichtung allein wird nichts verändern können. Jedoch könnten klimaneutrale Bildungseinrichtungen als Vorreiter*innenrollen dienen und einen Multiplikator*inneneffekt einrichten. Unser Anliegen des Klimaschutzes ist ein globaler Kampf. Aus diesem Grund fordern wir die Einrichtung eines europäischen Fonds. Aus diesem sollen Teile der Sanierungsarbeiten und Co. Für die Schulen finanziert werden. Auch sollen Gelder durch die Bundesrepublik bereitgestellt werden. Die finanzielle Last darf nicht bei den einzelnen Kommunen liegen. Wir fordern,

  • Die Entlastung der Kommunen durch die Regierung
  • Eine gemeinsame Lösung für Europa und daher eine entsprechende umfassende Finanzierung

*1Die Kinder stellen sich morgens an vereinbarten „Haltestellen“ bereit und werden nach und nach von einem Elternteil oder einer Lehrkraft zu Fuß eingesammelt und gehen den Schulweg in der Gruppe gemeinsam