G11 Neue Freiheit in der Reproduktionsmedizin

Status:
(noch) nicht behandelt

Die Kryokonservierung, vielmehr bekannt als „Social Freezing“ und ursprünglich für Krebspatient*innen entwickelt, geriet in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit, da Firmen wie Google oder Facebook ihren Mitarbeiter*innen anboten, die Kosten für das Verfahren zu übernehmen.

Beim “Social Freezing“  werden jüngere Eizellen eingefroren, die später künstlich befruchtet werden sollen. So kann das Problem der abnehmenden Fruchtbarkeit bei Frauen ab spätestens 35 Jahren teilweise umgangen werden. Die altersbedingte Unfruchtbarkeit entsteht nämlich in erster Linie durch die Verringerung der Zahl der Eizellen und die sinkende Qualität der Eizellen. Bei einer Lagerung bei -196° Celsius können die Eizellen beliebig lange ohne bisher bekannte Qualitätsverluste eingelagert werden und die Frau kann selbst entscheiden wann der richtige Zeitpunkt zur Befruchtung ist – dies kann mit 32 Jahren der Fall sein, aber auch mit 42 Jahren. 

„Social Freezing“ ist für sich genommen ein weiterer wichtiger Schritt zur körperlichen Selbstbestimmung der Frau. Das deutsche Gesundheitssystem schränkt systematisch die Freiheit der Frauen über ihren eigenen Körper ein: für einen Schwangerschaftsabbruch gibt es bestimmte Fristen, die „Pille-Danach“ ist erst seit kurzem frei verkäuflich, eine Eizellenspende ist, anders als die Samenspende, nicht erlaubt. „Social Freezing“ erlaubt es Frauen selbstbestimmter und unabhängiger Leben zu können, ohne sich andauernd Gedanken über die eigene Reproduktion machen zu müssen. Diese neue Freiheit darf unter keinen Umständen von außerhalb eingeschränkt werden, stattdessen müssen Frauen die sich für das „Social Freezing“ entscheiden geschützt werden. „Du bist zwar auf dem Höhepunkt deiner Fruchtbarkeit, aber viel wichtiger ist, dass du auf dem Höhepunkt deiner Karriere bist und unseren Umsatz steigerst.“: solche Gespräche zwischen Mitarbeiterin und Arbeitgeber*innen darf es auch in Zukunft nicht geben. Die Finanzierung dieses Eingriffes sollte deshalb allein bei der Frau liegen, damit keine (Co)-Abhängigkeit entstehen kann. Ganz im Sinne von „My Body, my Choice“ darf nur die Frau allein darüber bestimmen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist oder ob sie sich vorsorglich die Eizellen einfrieren lassen will. Um allen Frauen den Wunsch nach Kind und Karriere zu ermöglichen, müssen Betreuungsangebote ausgebaut und neue Arbeitszeitmodelle durchgesetzt werden. Um Frauen nicht erst vor die Wahl zu stellen, ob Kind oder Karriere, ist die Entwicklung von einer kapitalismus- hin zu einer familienfreundlichen Arbeitsmarktpolitik unabdingbar! 

Entscheidet sich eine Frau für „Social Freezing“ ist eine umfassende und neutrale Beratung über Chancen und Risiken vonnöten. Allerdings darf keine Beratungsstelle der Frau vorschreiben, ob sie sich für oder gegen den Eingriff entscheiden soll – die Eierstöcke gehören der Frau und sie allein darf darüber entscheiden. 

 

Deshalb fordern wir:

–       ein Verbot der (Teil)-Finanzierung des „Social Freezings“ durch Arbeitgeber*innen

–       die Durchführung von zwei Beratungsgesprächen vor der Entnahme der Eizellen. Eine Beratung soll bei einer Sozialstelle mit einem/einer Sozialarbeiter*in erfolgen, bei der die persönlichen und sozialen Gründe besprochen werden und die Kosten thematisiert werden. Das zweite Gespräch erfolgt mit einem/einer unabhängigen Arzt/Ärztin, bei dem die gesundheitlichen Risiken und Chancen objektiv erklärt werden

–       ein zweites medizinisches Fachgespräch vor dem Einsetzen der Eizellen

–      Subventionierung oder Finanzierung durch Krankenkassen

–       Frauen, bei denen eine medizinische Indikation vorliegt, sollen sowohl den Eingriff als auch das spätere Einpflanzen von befruchteten Eizellen von der Krankenkasse bezahlt bekommen und dies unabhängig von einem männlichen Ehepartner

–        endlich eine echte familienfreundliche Arbeitsmarktpolitik, die Frauen nicht vor die Wahl stellt. Dazu zählen unter anderem die paritätische Aufteilung der Elternzeit, flexible Arbeitszeitmodelle, Ausbau der Home-Office Angebote, ein verbesserter Einstieg von Teilzeit auf Vollzeit und mehr Betreuungsangebote.

Änderungsanträge
Status Kürzel Zeile AntragstellerInnen Text PDF
(noch) nicht behandelt G11_Ä7 1 Nord-Niedersachsen, Braunschweig, Hannover und Weser-Ems

Streiche Zeile 1 ­ bis 29

Streiche Zeile 33­ bis 37

(noch) nicht behandelt G11_Ä8 1 Nord-Niedersachsen, Braunschweig, Hannover und Weser-Ems

Streiche Zeile 1 ­ bis 29

Streiche Zeile 33­ bis 37

(noch) nicht behandelt G11_Ä1 16 Bremen

Streiche Zeilen 16-18 von “Diese“ bis “werden.“

(noch) nicht behandelt G11_Ä2 43 Bremen

Ersetze in Zeilen 43-44 “Ausbau der Home-Office Angebote“ durch “Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden“