V1 Qualitativ hochwertigere Radverkehrswegesysteme

Status:
(noch) nicht behandelt

Wir fordern die SPD-Bundestagsfraktion dazu auf, in der Bundesregierung darauf hinzuwirken, dass Investitionen in das Radverkehrswegenetz nach den folgenden Prinzipien getätigt werden. Wir sehen außerdem die Landesregierungen in der Pflicht, den Kommunen bei der Umsetzung dieser Prinzipien für deren kommunales Radverkehrswegenetz planerische Hilfestellung zu leisten.

Als Vorbild für solch ein Radverkehrswegenetz könnte beispielsweise das Niederländische Schnellradwege Netz genommen werden.

Die Prinzipien für ein leistungsfähiges Radverkehrswegenetz, das von einer breiten Masse der Bevölkerung angenommen wird,  sind Folgende:

  • Zusammenhang: Die Routen bilden ein zusammenhängendes und dichtes Netz, das keine Lücken aufweist und alle wichtigen Quellen und Ziele des Radverkehrs, alle Ortsteile und wichtige Nachbarorte verbindet und erschließt.
  • Direktheit: Für den Alltagsverkehr werden möglichst immer optimale Routen angeboten. Umwege werden minimiert.
  • Reisegeschwindigkeit: Für den Alltagsverkehr mit längeren Reiseweiten ist eine hohe Reisegeschwindigkeit mit Minimierung der Anzahl der Halte von herausragender Bedeutung.
  • Lesbarkeit / Kontinuität: Die Radverkehrsverbindungen sind so gestaltet, dass durchgehende Verbindungen eindeutig erkennbar sind. Daher kommt der Gestaltung der Übergänge zwischen den Netzabschnitten eine besondere Bedeutung zu. Eine einheitliche Farbe für alle Radwege bietet klare Orientierung für alle Verkehrsteilnehmer*innen.
  • Attraktivität: Die Radwege sind so gestaltet, dass sie sich in die Umgebung einpassen und das Radfahren attraktiv ist. Hierzu zählen eine geringe Lärm- und Abgasbelästigung sowie die Führung durch ein möglichst reizvolles städtebauliches und landschaftliches Umfeld.
  • Sicherheit: Eine konsequente räumliche Trennung von Fahrrad, Auto- und Fußverkehr erhöht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen signifikant. Längere und häufigere Grünphasen für Radfahrer*innen vermeiden das Überfahren von roten Ampeln durch Fahrradfahrer*innen. Zur Trennung der Verkehrsströme empfiehlt sich eine Ampelphase nur für Fahrräder und Fußgänger*innen. Außerdem ist es essentiell, die Ampelphasen nach 19 Uhr, durch bspw. Bedarfsampeln fortzuführen.
  • Komfort: Die Führung der Radfahrer*innen ermöglicht einen zügigen und störungsarmen Verkehrsfluss, was insbesondere durch die Minimierung der Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmer*innen und eine anspruchsgerechte Befahrbarkeit erreicht wird. Bedarfsgerecht sind Fahrradwege mit angemessener Breite und ohne Unebenheiten (Schwellen, Bordsteine, Schlaglöcher).
Begründung:

Radfahren ist nicht nur die gesündeste Variante der Mobilität, sie gehört neben dem Laufen auch zu der umweltfreundlichsten. Trotzdem wirkt das Radfahren auf viele Bürger*innen nicht attraktiv. Als Hauptgründe für die Nichtnutzung des Fahrrads als Alternativmodell zum motorisierten Individualverkehr wird von Befragten angegeben, dass Fahrradfahren zu gefährlich und zu unattraktiv sei. Besonders in städtischen Regionen fühlen sich potentielle Nutzer*innen durch einen starken Autoverkehr, zu wenige Radwege, schlechte Beleuchtung und unsinnige Radwegsysteme in ihrer Sicherheit als Verkehrsteilnehmer*innen eingeschränkt. Fahrradnutzer*innen sehen sich in heutigen Radverkehrssystemen nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer*innen.

Die Prinzipien in diesem Antrag sollen es dem Bund, Land und seinen Kommunen erleichtern, bei der Konstruktion von Radverkehrsinfrastruktur das Radverkehrswesen als relevante Alternative für den motorisierten Individualverkehr und als gleichberechtigtes Verkehrsmittel zu begreifen.

Es ist wichtig, dass mehr Geld in den Radverkehr investiert wird. Es ist aber auch wichtig, dass Investitionen in den Radverkehr nicht nur an der Menge des investierten Geldes, sondern insbesondere an ihrer Nützlichkeit für Radfahrer*innen und für alle Verkehrsteilnehmer*innen allgemein gemessen werden.

Ein altes verkehrsplanerisches Sprichwort lautet „build it and they will come“. Doch bleibt ein Radwegenetz Stückwerk, unsicher, unkomfortabel oder verwirrend, so bietet es keinen Vorteil zum Auto. Nach niederländischem Vorbild fordern wir deshalb, die Konstruktionsprinzipien eines guten Radverkehrswegenetzes auch in Brandenburg zu befolgen!