G5 Queer ist keine Krankheit! Konversionstherapie verbieten

Status:
mit Änderungen angenommen

Der Bundeskongress der Jusos möge beschließen und an die SPD-Bundestagsfraktion weiterleiten:

Wir fordern, dass die Planung, Vorbereitung und Durchführung aller Maßnahmen, die darauf abzielen eine Veränderung der sexuellen Identität oder Orientierung hervorzurufen, verboten und unter strafrechtliche Verfolgung gestellt werden.

Sollte bei Minderjährigen eine solche Maßnahme durch eine Person durchgeführt, vorbereitet, geplant oder wissentlich geduldet werden, fordern wir, dass die Personen, in deren Obhut oder Fürsorge sich die Minderjährigen befinden, strafrechtlich verfolgt werden. Auch die Verbreitung von Aussagen oder Medien, die die Möglichkeit einer Therapie sexueller Identitäten und Orientierungen suggerieren, vor allem im Kontext eines professionellen Vertrauensverhältnisses, sollen unter Strafe gestellt werden.

Begründung:

Homosexualität ist keine Krankheit. 1987 wurde Homosexualität aus dem DSM gestrichen. 1992 strich die WHO Homosexualität als Krankheit aus dem Krankheitskatalogisierungssystem ICD-10. Dennoch versuchen immer noch Verbände wie der Bund Katholischer Ärzte die Therapie von nicht-heteronormativen Identitäten und Orientierungen zu legitimieren in dem sie diese als Ausdruck unterliegender Schäden darstellen. Ärzt(e)*innen, die dieser Einstellung folgen versuchen durch geistige Rituale wie dem Austreiben böser Geister oder pseudowissenschaftlicher Methoden[1] wie z.B. Homöopathie (Nosodentherapie) zu behandeln[2][3], obwohl sich die Bundesärztekammer[4], die WHO[5] und die World Medical Association (Weltärztebund)[6] inzwischen dagegen ausgesprochen haben.

Diese Ärzt(e)*innen sehen in der Homosexualität Risiken wie eine höhere Suizidneigung, verleugnen aber, dass diese aus Kritik an oder der Stigmatisierung der individuellen sexuellen Identität oder Orientierung entsteht.[7] Dabei sind gerade die „Therapien“, die durch diese Ärzt(e)*innen verschrieben werden oft der Grund für eine gesteigerte Suizidgefährdung. Wenn sie, wie zu erwarten, fehlschlagen, bekommen die Patienten*innen oft das Gefühl gescheitert zu sein, eine Enttäuschung zu sein. Das kann zu Angststörungen, Liebes- und Bindungsunfähigkeit, Depression und in Summe dessen zum Suizid führen.[8]

 

[1]      Homöopathie. (19. März 2017). Abgerufen am 24 März 2017, von https://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie

[2]      a.) C. Deker & O. Lambrecht. (19. Juni 2015). PANORAMA: Schwulenheiler. Abgerufen 24. März 2017, von https://www.youtube.com/watch?v=MUP_O4gFNkk 

b.) C. Deker & O. Lambrecht. (7. April 2015). PANORAMA: Schwulenheiler 2. Abgerufen 24. März 2017, von https://www.youtube.com/watch?v=pNFHpq0OWaM

[3]      Bund Katholischer Ärzte. (2013). Homosexualität aus Sicht von katholischen Ärzten [Flyer]. Abgerufen am 25 März 2017, von http://www.bkae.org/fileadmin/redakteur/main/DOKUMENTE/bkae/Homosexualitaet_6-11/BKAE-Flyer_Homosexualitaet_9-13.doc

[4]      Ärztetag lehnt Pathologisierung von Homosexualität ab. (31. März 2015). Abgerufen am 24 März 2017, von http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/aerztetage-ab-2006/117-deutscher-aerztetag-2014/presseinformationen/homosexualitaet/

[5]      Ending violence and discrimination against lesbian, gay, bisexual, transgender and intersex people. (n.d.). Abgerufen am 24. März 2017, von http://www.who.int/reproductivehealth/publications/gender_rights/lgbti-un-statement/en/

[6]      WMA Condemns Portrayal of Homosexuality as a Disease. (21. Oktober 2013). Retrieved 24. März 2017, von http://www.wma.net/en/40news/20archives/2013/2013_30/

[7]      siehe Bund Katholischer Ärzte (2013).

[8]      siehe C. Deker & O. Lambrecht (19. Juni 2015).

Änderungsanträge
Status Kürzel Zeile AntragstellerInnen Text PDF
mit Änderungen angenommen G5_Ä4 2 Mecklenburg-Vorpommern

Streiche von “Planung“ bis “und“.

angenommen G5_Ä1 3 und 8 Nordrhein-Westfalen

Der Bundeskongress der Jusos möge beschließen folgende Änderung am vorliegenden Antrag G5 „Queer ist keine Krankheit! Konversionstherapie verbieten“ vorzunehmen:

  • In Zeile 3 sollen die Worte „sexuellen Identität oder Orientierung“ durch die Formulierung „sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität oder Orientierung“ ersetzt werden.
  • Analog soll in Zeile 8 die Formulierung „sexueller Identitäten und Orientierungen“ durch die Formulierung „sexueller und/oder geschlechtlicher Identitäten oder Orientierungen“ ersetzt werden.
Text des Beschlusses:
Der Bundeskongress der Jusos möge beschließen und an die SPD-Bundestagsfraktion weiterleiten:
Wir fordern, dass die Durchführung aller Maßnahmen, die darauf abzielen eine
Veränderung der sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität oder Orientierung hervorzurufen, verboten und unter strafrechtliche Ver-
folgung gestellt werden.
Sollte bei Minderjährigen eine solche Maßnahme durchgeführt, vorbereitet, geplant
oder wissentlich geduldet werden, fordern wir, dass die Personen, in deren Obhut oder Fürsorge sich die
Minderjährigen befinden, strafrechtlich verfolgt werden. Auch die Verbreitung von Aussagen oder Medien,
die die Möglichkeit einer Therapie sexueller und/oder geschlechtlicher Identitäten oder Orientierungen suggerieren, vor allem im Kontext
eines professionellen Vertrauensverhältnisses, sollen unter Strafe gestellt werden.
Außerdem fordern wir die Ärztekammer auf, ÄrztInnen, die Konversionstherapien durchführen oder wissentlich vermitteln, die Approbation zu entziehen

Die Klassifizierungen für Therapien ICD-10 F66.0 und F66.1 sollen bereits nach der 5ten Therapie Stunde überprüft werden und nicht mehr nach der 25sten. Krankenkassen sind verpflichtet diese Überprüfung vorzunehmen.

F66.0

Sexuelle Reifungskrise

Info:

Die betroffene Person leidet unter einer Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen

Orientierung, mit Ängsten oder Depressionen. Meist kommt dies bei Heranwachsenden vor, die sich hinsichtlich ihrer homo-, hetero- oder bisexuellen Orientierung nicht sicher sind; oder bei Menschen, die nach einer

Zeit scheinbar stabiler sexueller Orientierung, oftmals in einer lange dauernden Beziehung, die Erfahrung machen, dass sich ihre sexuelle Orientierung ändert.

F66.1

Ichdystone Sexualorientierung

Info:

Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, dass diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.

Als Konversionstherapie verstehen wir die Maßnahme gezielt die Sexualität der PatientInnen zu verändern, Therapien bei denen TherapeutInnen die PatientInnen unterstützen sich selbst über ihre Gefühle klar zu werden gehören nicht dazu. Es sollen weitere Maßnahmen erarbeitet werden diesen Unterschied überprüfbar zu machen.

Beschluss-PDF: