B18 Unsere Erzieher*innen brauchen eine berufsorientiertere Ausbildung!

Status:
(noch) nicht behandelt

Wir wollen uns für eine grundlegende Umstrukturierung der Ausbildung zum*r Sozialassistenten*in bzw. zum*r Erzieher*in einsetzen.

Daher fordern wir:

  1. Betriebliche Ausbildung für Erzieher*innen anstatt einer schulischen Ausbildung!
  2. Eine Ausbildung für alle, keine Unterteilung der Erzieher*innenausbildung in zwei Ausbildungen mehr!
  3. Weiterbildungsmöglichkeiten sowohl für Erzieher*innen als auch für Auszubildende schaffen!
  4. Inhalte der Ausbildung müssen besser mit den möglichen Tätigkeitsfeldern abgestimmt sein!
  5. Wir müssen dringend das Ansehen der Erzieher*innen stärken – sowohl gegenüber der Bevölkerung, als auch die Stellung der Auszubildenden in der eigenen Berufsparte!
  6. Gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit! Die Auszubildenden müssen für ihre Arbeit eine gerechte Entlohnung enthalten, Frauen* wie Männer, FSJ’ler*innen wie Auszubildende!
  7. Unsere Auszubildenden müssen mehr Erfahrung sammeln dürfen. Setzt die Auszubildenden endlich als „Vierte Kraft“ ein!

 

Begründung:

Die Ausbildung zum*r Erzieher*in kann nur unter der Prämisse begonnen werden, dass zuvor die Ausbildung zum*r Sozialassistenten*in abgeschlossen wurde. Dadurch dauert die Ausbildung zum*r Erzieher*in vier Jahre.

Vier Jahre, in denen die Auszubildenden keine finanzielle Entlohnung für ihre geleistete Arbeit bekommen haben. Im Gegenteil: Die Auszubildenden müssen, gerade in unserem ländlichen Raum, Kosten für Bus, Bahn oder Auto tragen, um überhaupt zum Praktikumsbetrieb bzw. zur Berufsschule zu gelangen. Hinzu kommen weitere Kosten für u.a. Materialien und Fachbücher, mit welchen die Auszubildenden ihre Planungen bestreiten sowie Bücher, die sie kaufen müssen, für die Berufsschule.

Dieses Geld fehlt den Auszubildenden jedoch. In den meisten Fällen erhalten die Praktikant*innen in den Betrieben noch nicht einmal eine Aufwandsentschädigung. Dafür gehen eben diese Auszubildenden, die sich doch eigentlich lieber mit Themen für ihr späteres Berufsleben auseinander setzen sollten, noch neben der Ausbildung arbeiten. Einzig und alleine um wenigstens etwas Geld zu haben, von welchem sie alle anfallenden Kosten zumindest decken zu können.

Beide Ausbildungen zusammen dauern derzeit 4 Jahre. Die allermeisten Absolvent*innen der Sozialassistent*innen-Klassen wollen auch eine Ausbildung zum*r Erzieher*in machen. Für diese Ausbildung sind jedoch nach wie vor viel zu wenige Schulplätze vorhanden.

Warum also nicht die Ausbildungen gleich zu einer zusammenfassen und so den zukünftigen Erzieher*innen auch ihrem Wunsch nach einer besser qualifizierenden Ausbildung nachkommen, und somit auch schneller vernünftig ausgebildete Erzieher*innen in den Einrichtungen zu haben. Demnach soll die Ausbildung zum*r Sozialassistenten*in abgeschafft werden. Stattdessen soll es eine dreijährige Ausbildung zum*r Erzieher*in geben. Diese sollte beide Ausbildungen zusammenfassen. Dabei sollten aber keinesfalls berufsbezogene Fächer wie Interkulturelle Erziehung, Pädagogische Handlungskonzepte oder Gesundheitserziehung gestrichen werden. Die derzeitigen Auszubildenden wünschen sich Fächer wie: Rechtskunde, Umgang mit Verhaltensauffälligen Kindern sowie Informationsveranstaltungen zu Inklusion, Sprachförderung und zur Förderung motorischer Fähigkeiten. All diese Dinge erlernen die Auszubildenden derzeit nur nebenbei, und wenn überhaupt auch nur sehr wenig.

Die Schaffung neuer Fächer wird von derzeitigen Auszubildenden ausnahmslos gewünscht. Allerdings darf sich dies nicht nur im Berufsschulunterricht an sich verändern, sondern die Betriebe müssen ihre Auszubildenden viel stärker einbinden. Sie sollten an Elterngesprächen teilnehmen dürfen und erzählt bekommen, wie so ein Gespräch überhaupt abläuft und worauf zu achten ist. Auch der Umgang mit Kindeswohlgefährdung wird bisher in den Berufsschulen nicht angesprochen. Das ist ein fataler Fehler, welcher derzeit in den Berufsschulen, aber auch in den Betrieben gemacht wird. Die Auszubildenden sollten frühzeitig lernen Kennzeichen von Kindeswohlgefährdung zum Wohle der Kinder zu erkennen und sie sollten nach ihrer Ausbildung wissen, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten haben.

Aber auch über Inklusion oder Bewegungs- und Sprachförderung wissen die Auszubildenden nach eigener Aussage viel zu wenig. Auch das muss sich dringend ändern.

Diese Dinge können, bei allem Engagement von Betrieben und den Berufsschulen, jedoch nicht von ihnen alleine gedeckt werden. Es muss vernünftige Angebote zur stetigen Weiterbildung geben. Anforderungen an die Erzieher*innen wandeln sich.

Die Interessen der Auszubildenden und späteren Erzieher*innen können dabei wegweisend sein, genauso wie die Interessen der Kinder. Hier kann angesetzt werden. Die Auszubildenden sind bereit „Wahlmodule“ zusätzlich zu belegen, die ihre Interessen wiederspiegeln. Es sollen Lehrgänge bzw. freiwillige Lehrgänge – schon während der Ausbildung – möglich gemacht und gefördert werden. Damit können sie den Erwartungen der Eltern und zukünftigen Lehrer*innen, die mittlerweile eine Art Vorschule fordern, gerecht werden.

Auch können Kinder von Flüchtenden oder mehrsprachige erzogene Kinder mithilfe der Erzieher*innen ihre Sprachen weiter sprechen und, was für Erzieher*innen auch wichtig ist, sie können mit den Kindern kommunizieren und verstehen ihre Ängste und Sorgen. Schlussendlich fühlen sich die Kinder dadurch auch aufgehobener in ihren Einrichtungen.

Weiterhin sollte die Ausbildung zur*m Erzieher*in eine betriebliche Ausbildung sein und keine schulische. Die Vorteile einer dualen Ausbildung liegen auf der Hand: Die Auszubildenden hätten eine*n Ansprechpartner*in direkt in ihrem Betrieben, der*die alle aufkommenden Fragen beantworten kann und ihnen auch bei Schwierigkeiten zur Seite stehen sollte. Auch sind Betriebe dann Träger*innen der Ausbildung. Dadurch wird sich sowohl das Verhältnis von Betrieben zu ihren Auszubildenden zum positiven verändern, als auch die Unterstützung von Seiten des Betriebes für die Auszubildenden zunehmen.

Leider leidet das Ansehen der Erzieher*innen derzeit in der Öffentlichkeit. So werden sie degradierend von Eltern dafür verantwortlich gemacht, wenn deren Kinder sich anders verhalten, als es von ihnen gewünscht wird. Eine Erzieher*in ist im Schnitt für 3-8 Kinder zuständig. Sie kann schlichtweg nicht ständig jedes einzelne Kind beobachten. Besser sei ein Verhältnis von einer*m Erzieher*in zu drei Kindern. In der Realität seien die Erzieher*innen mitunter sogar mit mehr als 25 Kindern alleine. Auch hier kann die*der Auszubildende als „Vierte Kraft“ enorm wichtig werden.

Weiterhin nehmen die Betriebe sowohl die FSJ’ler*innen als auch Auszubildende auf. Allerdings werden diese beiden Gruppen völlig unterschiedlich behandelt. Die Auszubildenden beklagen sich darüber, dass sie weniger mit Kindern zu tun haben, als sie es als zukünftige Erzieher*innen sollten. Durch eine duale Ausbildung und festgesetzte Ausbildungsrahmenpläne kann in Zusammenarbeit mit Personalrät*innen und weiteren Interessensvertretungen über die Einhaltung der Lehrpläne gewacht werden. So wird einem Missbrauch und Verstoß entgegengewirkt.

Und das sind keineswegs Einzelfälle. Es ist sehr schade, dass ausgerechnet die Leiter*innen der Betriebe sowie die anderen Arbeitnehmer*innen nicht sehen, dass sie gerade die zukünftigen Erzieher*innen und teilweise auch Nachfolger*innen in den Betrieben ausbilden, die allerdings kaum Kontakt zu den Kindern haben. Das kann nicht gelingen, wenn FSJ’ler*innen die Kinder alleine beschäftigen, sondern dies muss zum einen ein*e Erzieher*iin tun und ihr zur Seite sollte ein*e Auszubildende*r stehen! Die FSJ’ler*innen sollten zur Unterstützung der Erzieher*innen und sonstigen Angestellten in den Betrieben sein, nicht als Auszubildendenersatz.

Es ist ungerecht, dass FSJ’ler*innen, die den Beruf nicht erlernen wollen und ihn nicht erlernt haben ein Gehalt für ihre Arbeit erhalten und die Auszubildenden nicht. Dadurch kommt es zu einem Ungleichgewicht. Des Weiteren müssen gerade von den Kommunen betriebene und finanzierte Kindergärten oder Horte, aber auch private Betriebe, dazu verpflichtet werden Auszubildende aufzunehmen. Zu wenige tun dies freiwillig und wenn nur unter großem Unverständnis gegenüber den Auszubildenden. Es wird meist darauf verwiesen, das mensch ja schon eine oder zwei FSJ’ler*innen im Betrieb hätte und man da keinen Platz mehr hätte für noch eine Person im Betrieb. Man solle sich in einem Jahr noch mal melden. Leider erhalten die meisten auch ein Jahr später mit derselben Begründung wieder eine Absage. Das ist sehr schade! Die Auszubildenden gehen also dorthin, wo sie einen Praktikumsplatz erhalten und werden häufig von diesen übernommen oder gehen noch weiter aus dem ländlichen Raum hinaus, um einen guten Job zu finden.

Unser ländlicher Raum braucht den Erzieher*innen-Nachwuchs. Heute und in Zukunft. Und nicht nur durch die Einführung der sogenannten „Dritten Kraft“.

Änderungsanträge
Status Kürzel Zeile AntragstellerInnen Text PDF
(noch) nicht behandelt B18_Ä3 1 Nordrhein-Westfalen

Ergänze in der Überschrift nach “brauchen“:

“bundesweit“

(noch) nicht behandelt B18_Ä4 1 Nordrhein-Westfalen

Streiche Zeile 1-2 und ersetze durch:

“Wir als Jungsozialist*innen wollen eine bundesweit einheitliche Ausbildung zum*r Erzieher*in. Diese muss den gestiegenen Anforderungen der frühen Pädagogik Rechnung tragen und berufsorientiert und praxisnah aufgebaut sein.“

(noch) nicht behandelt B18_Ä1 4 Bremen

Ergänze in Z. 4 “und Sozialassistent*innen“ nach “Erzieher*innen“

(noch) nicht behandelt B18_Ä5 4 Nordrhein-Westfalen

Streiche Zeile 4 und ersetze durch:

“Ein Ausbildungsmodell, das sowohl die Bildung- und Erziehungswissenschaftliche Aspekte wie auch die Praxis vereint. Wir wollen keine rein schulische Ausbildung mehr für Erzieher*innen. Vielmehr muss die Ausbildung zukünftig im Blockunterricht stattfinden um zu gewährleisten, dass alle Ausbildungsinhalte intensiv genug behandelt werden können. Die Interessen der Auszubildenden und späteren Erzieher*innen können dabei wegweisend sein, genauso wie die Interessen der Kinder. Hier kann angesetzt werden. Die Auszubildenden sind bereit Wahlmodule zusätzlich zu belegen, die ihre Interessen wiederspiegeln. Es sollen Lehrgänge möglich gemacht und gefördert werden. Damit können sie den Erwartungen der Eltern und auch der Lehrer*innen, die mittlerweile eine Art Vorschule fordern, gerecht werden.“

(noch) nicht behandelt B18_Ä2 5 Bremen
Streiche  Z. 5
(noch) nicht behandelt B18_Ä6 14 Nordrhein-Westfalen

Füge in Zeile 14 ein:

“8. Die Kooperation zwischen den Erzieher*innen und Kindheitspädagog*innen muss ebenso in den Fokus gerückt werden, so dass ein Gleichgewicht aus den beruflichen Schwerpunkten und Professionen entsteht.“