F7 Weltraumpolitik voranbringen – wissenschaftlich, nachhaltig, internationalistisch

Status:
(noch) nicht behandelt

Der Juso-Bundeskongress möge beschließen:

Wir sprechen uns für eine neue Weltraumpolitik aus. Diese muss sich an wissenschaftlichen, nachhaltigen und internationalistischen Grundsätzen messen lassen.

Das bedeutet für uns konkret:

  1. Weltraumpolitik muss wissenschaftliche Erkenntnisse und den Schutz der Erde in den Mittelpunkt stellen. Das bedeutet Investitionen in einen verbesserten Strahlenschutz für zukünftige Projekte und Maßnahmen um die Arbeitsbedingungen im Weltall zu verbessern, wie etwa die Anhebung der Schwerkraft in Raumstationen und Raumschiffen durch Rotation dieser.
  2. Verstärkte Investitionen in Roboter und künstliche Intelligenz, um Maschinen mehr Möglichkeiten zu geben die Raumfahrt voranzubringen und auch insbesondere die bemannte Raumfahrt zu unterstützen.
  3. Die Erhöhung des Budgets für Raumfahrt im Bundeshaushalt.
  4. Die Gründung einer weltweiten Weltraumagentur und damit einhergehend auch Zugang zur ISS für Vertreter*innen von Nationen wie China und Indien.
  5. Ein verbindliches, völkerrechtlich verankertes Verbot des Abschusses von Satelliten.
  6. Eine Initiative bei dem Büro der Vereinten Nation für Weltraumfragen (UNOOSA) zur Entsorgung von Weltraumschrott soll etabliert werden. Die ESA soll federführend sich mit der Frage der Entsorgung von Weltraumschrott beschäftigen. In diesem Rahmen soll die ESA insbesondere die Möglichkeit eines Laser-Broom-Systems geprüft werden.
  7. Eine neue Initiative um den PAROS-Vertrag durch die Vereinten Nationen abzuschließen.
  8. Initiierung eines weltweiten Projektes zur Aufdeckung und Abwehr von Kometen und Asteroiden.
  9. Die Raumfahrtpolitik in Deutschland muss zukünftig außerhalb der Verantwortung des Bundeswirtschaftsministeriums liegen und soll stattdessen im Verantwortlichkeitsbereich im Bundeswissenschaftsministerium liegen.
  10. Die ESA soll einen Initiative zum Bau eines Weltraumfahrstuhls auf dem Weg bringen. Mögliche Standortländer sollen wirtschaftlich und politisch unterstützt werden im Zuge des Baus eines Weltraumfahrstuhls.
  11. Das europäische Parlament muss einen rechtlichen Rahmen schaffen, um Asteroidenbergbau einen rechtlichen Rahmen zu geben. Dabei sind insbesondere arbeitsrechtliche Aspekte, sowie Sicherheit, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit in den Blick zu nehmen.
  12. Die Vereinten Nationen müssen den Weltraumvertrag aktualisieren in Hinblick auf zukünftig absehbaren Asteroidenbergbau und mögliche menschliche Kolonien auf dem Mond und den Planeten des Sonnensystems.
Begründung:

Die Weltraumpolitik der letzten 70 Jahre war ein Spiegel der Weltgeschichte. Gerade im kalten Krieg war diese ein zentraler Konfliktbereich. Gleichzeitig gab es auch in dieser Zeit durch den Wettkampf viele wissenschaftliche Fortschritte in der Weltraumerforschung, die ersten menschlichen Satelliten, die Mondlandung und bemannte Raumstationen sind in dieser Zeit geschehen. Es hat sich gezeigt: Weltraumpolitik ist ein erheblicher Motor für wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.

Gerade in einer Zeit der Entstaatlichung und Privatisierung der Raumfahrt müssen wir uns Gedanken machen, wie wir auch in Zukunft eine gute Raumfahrtpolitik nach unseren Grundsätzen ermöglichen wollen.

China, Japan und die USA planen zurzeit die Errichtung von Mondbasen in den nächsten Jahren. Diese haben viel Potential, wir müssen aber politisch auf eine verstärkte Kooperation zwischen den beteiligten Staaten drängen. Gerade die ESA hat das Potential hier eine Schlüsselrolle zu spielen. Diese Rolle wird politisch definiert und muss deshalb von uns in Betracht genommen werden.

Zu 1.: Die bemannte Raumfahrt wird auch in Zukunft eine wesentliche Säule der wissenschaftlichen Arbeit sein. Gerade wenn es auch darum geht bemannte Raummissionen außerhalb des Magnetfelds der Erde durchzuführen, muss die Sicherheit und das Wohlbefinden der AstronautInnen sichergestellt sein.

Zu 2.: Auch die unbemannte Raumfahrt hat erhebliches Potential, zur Unterstützung der bemannten Raumfahrt, aber auch für wissenschaftliche Zwecke und auch zum Asteroidenbergbau.

Zu 3.: Jedes Jahr werden etwa 1,2 Milliarden Euro ausgeben im Bundeshaushalt für Raumfahrt. Dieses ist bei weitem nicht ausreichend um die Kosten für eine ausgebaute Raumfahrt zu decken.

Zu 4.: Was im Weltraum passiert betrifft früher oder später die gesamte Menschheit. Deshalb ist es auch erforderlich, dass die Menschheit an einem Strang zieht. Eine globale Weltraumagentur ist ein sinnvoller Schritt um nationale Konkurrenzen bei der Weltraumpolitik zu überwinden und eine gemeinsame humanistische Agenda in der Weltraumpolitik zu etablieren. Gerade auch die Etablierung von Kolonien auf anderen Planeten und Satelliten sollte ein gemeinsames Projekt der Menschheit sein und kann auch dazu führen, dass eine verstärkte internationalistische Sichtweise auf die globale Politik zu Stande kommt.

Zu 5.: Der Abschuss von Satelliten kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Raumfahrt haben. Zurzeit sind etwa 50.000 Objekte der Größe eines Fußballs bereits als Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn. Diese Objekte können Raumschiffe, Satelliten und Teleskope beschädigen oder zerstören, wie es bereits in der Vergangenheit passiert ist.

Zu 6.: Bereits 2013 gab es eine internationale Konferenz zur Beseitigung von Weltraumschrott. Dies muss nun konkrete Realität werden. Sollte Weltraumschrott zu sehr zu nehmen, kann eine Kettenreaktion ausgelöst werden und zukünftige Weltraummissionen komplett verhindert werden. Deshalb muss die zukünftige Strategie sowohl Vermeidung der Entstehung, als auch das Einsammeln von Weltraumschrott durch unbemannte Raumfahrzeuge umfassen.

Zu 7.: Der PAROS-Vertrag sollte ein Wettrüsten im Weltall verhindern, wurde aber 1982 knapp von den Vereinten Nationen abgelehnt. Gerade wenn neue technologische Fortschritte die Militarisierung des Weltraums leichter machen, muss nun erneut versucht werden den PAROS-Vertrag Realität werden zu lassen.

Zu 8.: Asteroiden und Kometen können eine erhebliche Gefahr für die Menschheit darstellen. Zur Zeit sind immer noch nicht sämtliche Objekte erfasst, die die Menschheit auslöschen könnte. Darüber hinaus gibt es auch keine konkreten Maßnahmen, die durchgeführt werden können

Zu 9.: Weltraumpolitik darf nicht wirtschaftlichen Interessen unterliegen. Um den wissenschaftlichen Fokus der Weltraumpolitik zu garantieren, ist es erforderlich zukünftig diese im Wissenschaftsministerium anzusiedeln. Hier können auch effektiver die Kompetenzen von Wissenschaftler*innen gebündelt werden.

Zu 10.: Ein Weltraumfahrstuhl ist eine wirtschaftlich und ökologisch höchst effektive Methode um Objekte in die Erdumlaufbahn zu bringen. Der Bau eines Weltraumfahrstuhls müsste in Äquatornähe erfolgen. Deshalb muss in potentiellen Standortländern über den Bau verhandelt werden. Dabei muss selbstverständlich darauf geachtet werden, dass die wirtschaftlichen Belastungen gerecht verteilt werden.

Zu 11.: Zur Zeit sind die rechtlichen Verhältnisse im All völlig ungeklärt. Zwar gibt eine UN Konvention, dass Eigentum an Werten im All rechtlich nicht möglich ist, es ist aber davon auszugehen, dass bereits in wenigen Jahren rein faktisch die Situation anders aussehen wird. Dies betrifft insbesondere den Bergbau auf dem Mond und auf Asteroiden. Dieser sollte nicht im rechtsfreien Raum geschehen.

Zu 12.: Ähnlich wie bei Punkt 11 müssen auch die Vereinten Nationen einen rechtlichen Rahmen schaffen. Dies gilt jedoch umso mehr für extraplanetare Kolonien, ob sie nun zweitweise oder dauerhaft sind.